"Die Weltbühne"

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Wochenschrift für Politik, Kunst, Wirtschaft; am 4. 4. 18 aus der Theaterzeitschrift "Die Schaubühne" entstanden, Sitz: Berlin, Auflage 1925: ca. 12 600. Nach dem Tod des Herausgebers Siegfried Jacobsohn am 3. 12. 26 wurde das Blatt "unter Mitarbeit von Kurt Tucholsky geleitet von Carl v. Ossietzky" (Impressum ab 11. 10. 27). Hauptangriffspunkte dieser kritischen linksintellektuellen Revue, zu deren Autoren die besten Journalisten der Weimarer Republik zählten, waren Klassenjustiz, Fememorde und heimliche Wiederaufrüstung. Wegen "Verrats militärischer Geheimnisse" (1929 hatte ein Artikel der "Weltbühne" auf die Zusammenarbeit der Reichswehr mit der Roten Armee hingewiesen) wurde Ossietzky vom Reichsgericht in Leipzig zu anderthalb Jahren Gefängnis verurteilt, trat die Strafe am 10. 5. 32 an und wurde am 22. 12. 32 amnestiert. Während seiner Haft übernahm Hellmut v. Gerlach die Redaktion. Ossietzky wurde nach dem Reichstagsbrand erneut verhaftet und ins KZ eingeliefert, die "Weltbühne" am 13.3. verboten; letzte erschienene Ausgabe: 7. 3. 33.

    Als antifaschistische Exilzeitung entstand am 6. 4. 33 in Prag "Die neue Weltbühne" aus der Vereinigung der verbotenen Berliner "Weltbühne" und ihrem schon im September 32 gegründeten Pendant "Wiener Weltbühne"; Redaktion: William S. Schlamm, ab März 34 Hermann Budzislawski, der ab 1936 auch zusammen mit Helen Reichenbach die Verlagsrechte besaß; Auflage: ca. 5 000-9 000. "Die neue Weltbühne" näherte sich ideologisch der KPD und propagierte Volksfrontpolitik. Sie erschien ab Juni 38 in Paris; Verbot durch die Regierung Daladier am 31. 8. 39.