"Erntefest"

    Aus Lexikon Drittes Reich

    (Aktion "Erntefest"), Codebezeichnung der SS für die Vernichtung von Juden im Distrikt Lublin (Generalgouvernement) Ende 43 zur Unterdrückung angeblicher terroristischer Unruhen. Im Lauf des Jahrs 1943 setzten die Juden im Generalgouvernement der Vernichtungspolitik des nationalsozialistischen Regimes in zunehmendem Maß Widerstand entgegen. Nach dem Warschauer Getto-Aufstand hatten sich die Bewohner des Gettos von Bialystok aktiv gegen die so genannte Umsiedlung gewehrt; am 2. 8. 43 war im Vernichtungslager Treblinka und am 14. 10. 43 im Lager Sobibór ein Aufstand der "Arbeitsjuden" erfolgt. Die nationalsozialistischen Machthaber nahmen diese Aufstände zum Anlass, die nach der "Aktion Reinhard" noch im Distrikt Lublin befindlichen Juden unter dem Vorwand terroristischer Unruhen zu liquidieren. Ausgenommen hiervon waren die für die Rüstungsindustrie notwendigen Fachkräfte. Mit der Planung und Leitung der Aktion "Erntefest" wurde der als Nachfolger von Globocnik zum SS- und Polizeiführer im Distrikt Lublin ernannte SS-Gruppenführer Sporrenberg beauftragt. Die Tötungen erfolgten durchweg im KZ Maidanek sowie in den Lagern Poniatowo und Trawniki. In Maidanek wurden Anfang November 43 mindestens 17 000 Juden erschossen. Insgesamt fielen der Aktion etwa 40 000 Menschen zum Opfer.