"Frankfurter Zeitung"

    Aus Lexikon Drittes Reich

    (FZ), 1866 von L. Sonnemann gegründete liberale Tageszeitung, 1910-34 von dessen Enkeln H. und K. Simon geleitet, seit 1930 finanzielle Beteiligung von I. G. Farben/Bosch. In der Weimarer Republik war die FZ als großes Industrie- und Handelsblatt auch im Ausland geschätzt. Ihre ablehnende Haltung gegenüber der NSDAP und die bekannte persönliche Abneigung Hitlers ließen 1933 ein Verbot erwarten, doch mussten zunächst nur die beiden jüdischen Hauptaktionäre Simon ihre Anteile den IG Farben/Bosch übertragen und jüdische Journalisten ihre Arbeit einstellen. Die Geschäftsführung übernahm Wendelin Hecht, Hauptschriftleiter wurde Rudolf Kircher; Auflage 1934: 100 000.

    Zunächst blieb IG Farben/Bosch das Eigentum an der FZ erhalten. Offensichtlich erschien aber dann eine publizistische Einflussnahme auf nationalsozialistische Politik nicht mehr möglich oder nötig: Am 21.4.39 wurde die FZ an die dem Eher-Verlag assoziierte Herold-Verlagsgesellschaft verkauft. Der Kern der Redaktion, so Benno Reifenberg, Dolf Sternberger, Paul Sethe, konnte bleiben. Auflage 1943: 30 000.

    Im Rahmen des von Goebbels arrangierten "Meinungspluralismus" waren der FZ im Dritten Reich regimekritische Äußerungen möglich. Als qualifiziertes Blatt von hohem internationalem Ansehen genoss sie Sonderprivilegien; erst am 10. 8. 43 wurde das Erscheinungsverbot ausgesprochen. Die Journalisten wurden z. T. vom "Völkischen Beobachter" übernommen, z. B. Sethe als Militär-Kommentator. Letzte Ausgabe: 31. 8. 43.