"Protokolle der Weisen von Zion"

    Aus Lexikon Drittes Reich

    fingierte Aufzeichnungen von Reden, in denen ein Mitglied der "Weisen von Zion", einer vorgeblichen jüdischen Geheimregierung, den Plan zur Eroberung der Weltherrschaft vorlegt. Die "Protokolle der Weisen von Zion" gehörten zu den Texten, auf die die Antisemiten ihre Behauptung stützten, dass es eine "jüdische Weltverschwörung" gebe (Antisemitismus). Die übliche Fassung des Textes besteht aus 24 Protokollen, Reden oder Kapiteln und hat einen Umfang von etwa 100 Druckseiten. Hauptthemen bilden die Rolle des Liberalismus, die Methoden zur Aufrichtung der jüdischen Weltherrschaft, schließlich eine Beschreibung des künftigen Weltstaats. Von besonderer Bedeutung war die Kritik des Liberalismus, da er als Weg in das Chaos und die Anarchie gesehen wird, aus dem nur eine Despotie herausführen könne, die zugleich eine Chance für die Weltherrschaft der Juden darstelle. Um diese zu errichten, würden die Juden alle liberalen Bewegungen, alle Revolutionen und politischen Unruhen unterstützen.

    Die "Protokolle der Weisen von Zion" wurden wahrscheinlich in der Pariser Auslandsstelle der zaristischen Geheimpolizei, der Ochrana, produziert. Die erste Veröffentlichung erfolgte 1903 in einer Petersburger antisemitischen Zeitung. Als Vorlage diente den Fälschern eine gegen Kaiser Napoleon III. gerichtete Schrift von Maurice Joly aus dem Jahr 1864. Der Tatbestand des Plagiats wurde zuerst von der britischen Zeitung "Times" im August 21 enthüllt. Dieser Nachweis hat der Verbreitung der "Protokolle der Weisen von Zion" keinen Abbruch getan. Russische Emigranten brachten sie 1918 nach Deutschland, wo sie im Januar 20 erstmals durch den antisemitischen Publizisten Ludwig Müller veröffentlicht wurden. Die "Protokolle der Weisen von Zion" fanden großen Anklang, boten sie doch durch den Hinweis auf die jüdische Weltverschwörung eine Erklärung für den Niedergang Deutschlands im Ersten Weltkrieg. Müllers Text erschien bis zur Machtergreifung Hitlers in 33 Auflagen, eine Volksausgabe im Leipziger Hammer-Verlag brachte es bis 1933 auf 100 000 Exemplare.

    Die "Protokolle der Weisen von Zion" haben für die Ausbildung der antisemitischen Programmatik in der Weimarer Republik große Bedeutung gehabt. Hitler wies auf sie in "Mein Kampf" hin und bezeichnete sie als echt. Die als Handlungsanweisungen für das Judentum verstandenen "Protokolle der Weisen von Zion" forderten zur Gegenaktion heraus. So gab es aus dem Kreis der Mörder Rathenaus die Erklärung, man habe den Ermordeten für einen der "Weisen von Zion" gehalten. Von den Anstiftern und Organisatoren der nationalsozialistischen Judenverfolgung wurden die "jüdische Weltverschwörung" und die "Protokolle der Weisen von Zion" immer wieder als Legitimation genannt.