"Tannenberg"

    Aus Lexikon Drittes Reich

    (Unternehmen "Tannenberg"), Tarnbezeichnung für den Auftrag von Einsatzgruppen und Einsatzkommandos des Chefs der Sicherheitspolizei im Polenfeldzug. Mitte August 39 wurden insbesondere aus Angehörigen der Stapo, Kripo und des SD fünf Einsatzgruppen aufgestellt, die zunächst nach den Aufstellungsorten, später mit römischen Ziffern bezeichnet wurden (Wien: I, Oppeln: II, Breslau: III, Dramburg: IV, Allenstein: V). Nach Kriegsbeginn kamen noch die Einsatzgruppe z. b. V. und die Einsatzgruppe VI hinzu. Den Einsatzgruppen unterstanden ein oder mehrere Einsatzkommandos. Für das Gebiet des Militärbefehlshabers Westpreußen bestand ein selbständiges Kommando mit der Bezeichnung Einsatzkommando 16. Die Gesamtstärke der Einsatzgruppen belief sich auf ungefähr 2 700 Mann. Ihre Aufgabe war die "Bekämpfung aller reichs- und deutschfeindlichen Elemente rückwärts der fechtenden Truppe". Hierunter fiel die von Hitler gewünschte "politische Flurbereinigung", die zu Massenerschießungen von Tausenden Polen und auch bereits Juden führte (z. B. Intelligenzaktion). Gemäß Erlass Himmlers vom 20. 11. 39 wurden die Einsatzgruppen und Einsatzkommandos aufgelöst. Die Angehörigen der Einheiten kamen im Wesentlichen zu den neu gegründeten Dienststellen des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD in den eingegliederten Ostgebieten (Ostoberschlesien, Reichsgau Danzig-Westpreußen, Reichsgau Posen, später Wartheland) und dem so genannten Generalgouvernement. Gegen die Liquidierungsmaßnahmen der Einsatzgruppen und anderer mit diesen eingesetzten und Himmler unterstehenden Verbände wurde durch Wehrmachts- und Heerführer z. T. noch während des Feldzugs scharfer Protest erhoben.