"Zweites Buch"

    Aus Lexikon Drittes Reich

    erst 1961 vom amerikanischen Historiker Gerhard L. Weinberg mit einem Geleitwort von Hans Rothfels aus den Beständen des US-Nationalarchivs (Signatur EAP 105/40) herausgegebenes Typoskript Hitlers, das nachweislich im Sommer 28 entstand. Hitler selbst erwähnte das 324 Seiten lange Werk am 17. 2. 42 in den Tischgesprächen und sprach im Zusammenhang mit "Mein Kampf" von "einer anderen, nicht veröffentlichten Schrift". Weinberg vermutet, dass die Publizierung wegen des seinerzeit schleppenden Verkaufs von "Mein Kampf" unterblieb, und weil die in Bewegung geratene politische Situation größere Textrevisionen unvermeidlich gemacht hätte, zu denen Hitler die Zeit und nun wohl auch das Interesse gefehlt habe.

    Inhaltlich bestätigt das "Zweite Buch", das sich primär mit außenpolitischen Fragen beschäftigt, die bereits in "Mein Kampf" dargelegten Komponenten der Weltanschauung Hitlers. Insbesondere das Grundthema seiner Außenpolitik, die Lösung der "Raumnot" auf russischem Boden, wird mit einer Schärfe und Vielfalt der Variationen entwickelt, die die bekannten Stellen aus "Mein Kampf" noch übertrifft. Durch das "Zweite Buch" wird "gegenüber der Auffassung vom bloßen Opportunisten Hitler, von der nihilistischen Revolution um der Revolution willen, überhaupt gegenüber der Unterschätzung des Inhaltlichen in seinem Programm, die Konstanz der außenpolitischen Grundvorstellungen belegt, die zwar in ihrer Realisierung opportunistische Abweichungen zulassen mochten, aber letztlich in einem bis zum Fanatismus starren Neo-Darwinismus mit allen seinen Folgen befangen blieben" (Rothfels).