Ärzteprozess

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Verfahren des Militärgerichtshofs I der USA in Nürnberg gegen den ehemaligen Reichskommissar für das Sanitäts- und Gesundheitswesen K. Brandt und andere wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Mitgliedschaft in verbrecherischen Organisationen (Fall 1). Angeklagt waren 20 Ärzte militärischer und ziviler Einrichtungen des Dritten Reiches, ein Privatarzt und zwei Nichtmediziner. Ihnen wurde im Wesentlichen vorgeworfen, für die Ausführung von grausamen und häufig tödlichen medizinischen Experimenten an KZ-Häftlingen und Kriegsgefangenen verantwortlich gewesen zu sein und am Euthanasie-Programm teilgenommen zu haben, dem Zehntausende von Geisteskranken, unheilbar Kranken, Kindern mit Missbildungen und andere Personen zum Opfer gefallen waren. Die Anklage gegen den Privatarzt beschränkte sich auf den Vorwurf, Himmler Methoden zur Massensterilisation vorgeschlagen zu haben.


    Durch Urteil vom 19. 8. 47 wurden sieben Angeklagte zum Tod durch den Strang, fünf zu lebenslänglicher und vier zu zeitiger Freiheitsstrafe von zehn bis 20 Jahren verurteilt. Bei sieben Angeklagten erkannte das Gericht auf Freispruch. Die Todesstrafen wurden durch den Militärgouverneur bestätigt und vollzogen. Alle anderen Strafen sind durch Gnadenerlass des US-Hochkommissars McCloy vom 31. 1. 51 herabgesetzt worden.