Überstaatliche Mächte

    Aus Lexikon Drittes Reich

    von der Völkischen Bewegung geprägte und insbesondere von Ludendorff und seinem Tannenbergbund verbreitete Bezeichnung für politische, religiöse und weltanschauliche Gruppierungen, die Geltungsanspruch erhoben über die staatlichen und "volklichen Lebensbereiche und Notwendigkeiten" hinaus. Zu den Überstaatlichen Mächten zählte man katholische Kirche, Freimaurer, Juden, Bolschewismus, Hochfinanz u. a., die als Drahtzieher im (politischen) Hintergrund für die "deutsche Schmach" ebenso verantwortlich gemacht wurden wie für den "moralischen und kulturellen Verfall" der Gegenwart. Eine besondere Rolle in diesen Verschwörungstheorien spielte der Antisemitismus, der statt schwer greifbarer Gesinnungen ein personales Feindbild anbot. Seine rassistische Fundierung schloss zudem das letzte Schlupfloch, da gegen jüdischen Abstammungsmakel weder Abschwören noch Taufe helfen konnte. Das Weltjudentum wurde so zum Prototyp der Überstaatlichen Mächte und der Kampf dagegen bereitete den Boden für die Judenverfolgung des Nationalsozialismus, der allerdings den sektiererisch vorbelasteten Begriff Überstaatliche Mächte mied.