Adolf-Hitler-Schulen

    Aus Lexikon Drittes Reich

    (AHS), ein Schulverband von zehn, zuletzt zwölf "nationalsozialistischen Schulen", denen Hitler am 15. 1. 37 genehmigte (wie zuvor auch anderen Schulen), seinen Namen zu tragen. Sie wurden als Vorschulen für die Ordensburgen ausgegeben. Ihre Gründung beruhte auf dem Plan von R. Ley, in jedem Gau eine "Gauburg" und damit ein Schulsystem der NSDAP einzurichten. Dabei sollten auch die vom Staat getragenen Nationalpolitischen Erziehungsanstalten (NPEA) umfunktioniert werden. Reichsminister Rust erklärte jedoch sein Einverständnis nur zu "Aufbauschulen" in Internatsform, mit dem Träger NSDAP, die der Schulung von Parteiführernachwuchs dienen sollten. Keines dieser Konzepte wurde realisiert. Träger des Schulverbands blieb bis 1941 die Finanzverwaltung der Deutschen Arbeitsfront. Auf den ebenfalls von ihr finanzierten Ordensburgen wurden die jahrgangsweise aufgebauten AHS bis 1941 gemeinsam untergebracht. Die Schulgestaltung übernahm nicht die NSDAP, sondern die Reichsjugendführung (RJF).

    Für die "Revolution der Erziehung" sollte ein Beispiel gesetzt werden: "Die Selbstverantwortung der Jugend ist auch in der Schule denkbar" (v. Schirach). Damit meldete 1938 die HJ ihren Anspruch auf die Veränderung der Schulerziehung an. Doch in der Praxis gelangten die AHS kaum über das von den NPEA entwickelte Muster einer verdoppelten Führungsstruktur im Internatsbetrieb hinaus. Als "Schulführer" wurden HJ-Führer und Lehrkräfte aus den Ordensburgen eingesetzt, die alle HJ-Ränge erhielten und mit Du angesprochen wurden. Aufsichtsfunktionen konnten die für die jeweilige Schule zuständigen Gauleiter nicht übernehmen; sie wurden von einem zur RJF gehörenden "Kommandeur" wahrgenommen. So konnten die "Erzieher" mit unterschiedlichen Ambitionen und meist geringer Sachkenntnis an "Erziehungs- und Lehrplänen" arbeiten; nur der für Kunst- und Werkerziehung ging schließlich, 1944, in Druck. Über die Ambition, die zentralen Fächer zur "Volkskunde" zusammenzufassen, wurde ebenso wenig Einigkeit erzielt wie über Inhalt und Einführung neuer Fächer wie "Weltanschauliche Schulung" (z. T. "NSDAP" genannt) oder "Religionskunde". Konfessioneller Religionsunterricht wurde nicht erteilt. Latein rangierte als 1. Fremdsprache. Ein breites Angebot zur sportlichen und musischen Betätigung war auch hier, wie in den NPEA, garantiert. Ähnlich wie dort gehörten "Einsätze zum Erziehungskonzept, doch nicht nur als Gegengewicht zur Isolierung im Internat, sondern auch zur persönlichen "Bewährung", meist in HJ-Führungsfunktionen. In "Leistungswochen" maßen sich die AHS untereinander.

    Erst 1941 avancierten die AHS zu "Reichsschulen der NSDAP". So war nur eine Schule in Feldafing bezeichnet worden, die seit 1936 von der Parteiführung protegiert und finanziert wurde. Nach 1941 konnten einige AHS auch in geräumten Heilanstalten und Klosterschulen untergebracht werden. Jetzt hörte die Zuweisung der Schüler einer Region an eine bestimmte Schule auf, auch nahm man einzelne deutsch sprechende Schüler aus besetzten Ländern auf. Dadurch trat die Unterschiedlichkeit der Maßstäbe, nach denen die HJ unter Kontrolle der jeweiligen Gauleitung die Schülerauslese durchgeführt hatte, noch deutlicher in Erscheinung. Das Erziehungskonzept beruhte im Wesentlichen darauf, dass der Einzelne sich als den "Besten" zugehörig ausweisen sollte. 1941 bestätigte das Ministerium, dass die (nach fünfjähriger Schulzeit vergebene) "Abschlussbeurteilung" zum Studium an einer Hochschule berechtige. Den meisten Schülern wurde außerdem ein "Diplom" ausgehändigt. Dem Konzept der "Bewährung", das sich schließlich innerhalb der fünf Jahre noch auf die Wahrnehmung von Führungsfunktionen in der Kinderlandverschickung und ab 1943 auf den Einsatz als Flakhelfer erstreckte, ist die Solidität einer unterrichtlichen Unterweisung geopfert worden, für die es keine verbindliche Zielvorstellung gab. Den Absolventen stand die Berufswahl frei.