Adolf Stoecker

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher evangelischer Theologe und Politiker

    geboren: 11. November 1835 Halberstadt gestorben: 7. Februar 1909 Bozen


    1863 Pfarrer, 1874-90 Dom- und Hofprediger in Berlin. Stoecker bemühte sich als Prediger und Publizist um die Rückgewinnung der Massen für die Kirche und propagierte dazu die Idee einer Inneren Mission mit sozialpolitischem Auftrag. Da es dem hochkonservativen Stoecker aber zugleich um die Abwehr der Sozialdemokratie ging, polemisierte er gegen die Juden als die eigentlich Schuldigen an der Notlage des Proletariats. Er argumentierte dabei zwar vornehmlich ökonomisch-sozial, wurde aber als begabter Demagoge zum Vorläufer der antisemitischen Hetze der völkischen und nationalsozialistischen Redner. 1881-93 und 1898-1908 MdR, vertrat Stoecker die Deutschkonservative Partei. Er verfehlte zwar sein Ziel der Bindung der Massen an den monarchischen Nationalstaat, gewann aber breite Mittelschichten für seine antiliberalen Ideen, die lange fortwirkten und noch das politische und soziale Klima der Weimarer Zeit belasteten.