Afrikafeldzug

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Bezeichnung für die militärischen Operationen deutsch-italienischer Verbände gegen britisch-amerikanische Truppen in Nordafrika 1940/41-13. 5. 43. Als Italien an der Seite Deutschlands am 10. 6. 40 in den Krieg eintrat, stand in der italienischen Kolonie Libyen eine zwei Armeen umfassende Heeresgruppe (Marschall Badoglio) mit 14 Divisionen. Mussolini schien hier ein Schlag gegen den schwachen britischen Gegner (ca. 36 000 Mann) in Ägypten aussichtsreich. Am 13. 9. 40 begann daher eine italienische Offensive, die am 16. 9. Sidi Barrani erreichte, aber schon am 18. 9. wegen angeblicher Nachschubschwierigkeiten liegen blieb. Deutsche Hilfsangebote wies Mussolini ab in der Furcht, die Deutschen nicht mehr loszuwerden, wie er Badoglio gegenüber äußerte. Am 9. 12. 40 begann jedoch das britische XIII. Korps mit nur 31 000 Mann, 275 Panzern und 120 Geschützen eine Gegenoffensive, die sich rasch zu einer Katastrophe für die Italiener entwickelte. Sidi Barrani fiel am 10. 12., Sollum am 16. 12., am 5. 1. 41 waren die Briten in Bardia, am 22. 1. in Tobruk und am 6. 2. in Bengasi. Bei nur 558 Toten und 1 373 Verwundeten hatten sie zehn italienische Divisionen vernichtet, 130 000 Gefangene eingebracht, 408 Panzer und 1 290 Geschütze erbeutet. Logistische Probleme zwangen sie am 8. 2. 41, bei El Agheila stehen zu bleiben. Auf einen italienischen Hilferuf vom 19. 12. 40 hin hatte Hitler am 9. 1. 41 die Entsendung eines deutschen "Sperrverbands" nach Libyen angeordnet. Die hierfür formierte 5. leichte Division wurde vom 8. 2. an überführt. Die 15. Panzerdivision folgte rasch.


    Am 12. 2. 41 übernahm General Rommel den Befehl über das Deutsche Afrikakorps und ordnete gegen Hitlers Abwarte-Konzept am 22. 3. einen Aufklärungsvorstoß gegen El Agheila an.

    Die Briten zogen daraufhin nach Osten ab, Rommel folgte, nahm am 4. 4. Bengasi und nach einem Marsch quer durch die Wüste am 8. 4. Derna. Der Angriff auf Tobruk scheiterte, am 11. 4. erreichte Rommel Bardia und bezwang am 15. 4. den Halfaya-Pass. Ein britischer Gegenangriff im Juni 41 scheiterte, ein zweiter vom 18. 11. an zur Entsetzung des seit 11. 4. eingeschlossenen Tobruk, der mit überlegenen Kräften vorgetragen wurde, war erfolgreicher. Am 7. 12. musste Rommel den Kampf um die Festung aufgeben und zog sich geordnet zurück. Am 23. 12. räumte er Bengasi und stand Anfang Januar 42 nach schweren Verlusten für beide Seiten fast wieder in seiner Ausgangsstellung.

    Doch Rommel griff im Schutz heftiger Sandstürme am 23. 1. 42 erneut den völlig überraschten Gegner an, rückte am 29. 1. in Bengasi ein und erreichte am 3. 2. Derna. Erst am 26. 5. 42 konnte er die Offensive fortsetzen. Die Briten vermuteten, Rommel wolle nach Ägypten vordringen, doch er brach am 18. 6. den Vormarsch nach Osten ab, drehte nach Westen und konnte am 21. 6. Tobruk erobern: 33 000 Gefangene wurden eingebracht und enorme Beute gemacht; Rommel wurde zum Generalfeldmarschall befördert. Am 23. 6. überschritt die deutsch-italienische Panzerarmee Afrika erneut die ägyptische Grenze und erreichte am 30. 6. die Enge von El Alamein (100 km westlich von Alexandria). Ein Durchbruch misslang, Rommel musste zur Verteidigung übergehen. Jetzt rächte es sich, dass man das Nachschubproblem nicht energischer angegangen war und die britische Mittelmeerinsel Malta nicht hatte ausschalten können. Vom 31. 8.-2. 9. scheiterte ein letzter Versuch Rommels, die Alamein-Stellung zu durchbrechen. Auch ein britischer Vorstoß gegen Tobruk blieb am 14. 9. noch erfolglos.


    Der nächste Schlag der britischen 8. Armee (General Montgomery) aber war nicht mehr abzuwehren: Am 23. 10. griff sie mit zehn Divisionen und vier Brigaden mit 1 114 Panzern und 880 Flugzeugen fünf deutsche und sieben italienische Divisionen an, die nur über 530 Panzer und 372 Flugzeuge verfügten. Der in Abwesenheit Rommels führende General Stumme fiel. Am 2. 11. durchbrach Montgomery die deutschen Stellungen und nahm 30 000 Mann gefangen. Gleichzeitig landeten die Alliierten am 7./8. 11. 42 in Marokko und Algerien (Operation "Torch"). Die deutsche Führung reagierte mit der Besetzung Vichy-Frankreichs und konnte durch rasch nach Tunesien überführte Truppen den Verlust dieses Teils von Französisch Nordafrika verhindern. Angesichts der Bedrohung im Rücken zog sich Rommel mit der Panzerarmee Afrika zurück, räumte am 13. 11. 42 Tobruk, einen Monat später El Agheila. Mit der Aufgabe von Tripolis (23. 1. 43) war die italienische Kolonie Libyen verloren. Am 9. 3. gab Rommel wegen Krankheit das Kommando über die Heeresgruppe Afrika in Tunesien an Generaloberst v. Arnim ab, der am 13. 5. 43 mit den Resten von elf deutschen und sechs italienischen Divisionen kapitulieren musste: 130 000 deutsche und 120 000 italienische Soldaten gerieten in Gefangenschaft. Eine durchaus mögliche Rettung großer Teile der Heeresgruppe hatte Hitler abgelehnt.


    Deutsche Verluste des Afrikafeldzugs: 18 594 Tote, 3 400 Vermisste; Italien: 13 748 Tote, 8 821 Vermisste; Großbritannien: 35 476 Tote; USA: 16 500 Tote.