Agrarpolitik

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Gesamtheit der auf den Sektor der Landwirtschaft bezogenen Maßnahmen des nationalsozialistischen Staats. Die wichtigsten waren: Aufbau des Reichsnährstands und die Einführung einer Marktordnung mit einem festen Preissystem für alle wichtigen landwirtschaftlichen Produkte. Zudem wurde der Absatzmarkt reguliert und rationalisiert (z. B. Neuorganisation der Trinkmilchmärkte). In den Jahren 1936/37 erfolgten gesetzliche Eingriffe in die Milchproduktion (Regelung der Ablieferungsmengen) und Getreideproduktion (Anbaukontingentierung). Die trotz Erhöhung zum Teil niedrigen Erzeugerpreise der landwirtschaftlichen Produkte entsprachen der wirtschaftlichen Gesamtstrategie einer Austerity-Politik zugunsten der Aufrüstung. Sie widersprachen jedoch der anderen großen agrarpolitischen Zielsetzung, der "landwirtschaftlichen Erzeugungsschlacht" zur Erreichung eines größeren Selbstversorgungsgrads im Bereich agrarischer Produkte.

    Den Widerspruch zwischen relativ niedrigen Erzeugerpreisen und hohen Mengenerwartungen versuchte man sowohl durch Zwangsmaßnahmen als auch durch die Förderung der Mechanisierung, der Rationalisierung und des Einsatzes von Düngemitteln zu vermindern. (Im Krieg entschloss man sich sogar zu finanziellen Anreizen.) Ein großes Problem stellte ferner der Arbeitskräftemangel dar. Zwischen 1933 und 39 ging die Zahl der landwirtschaftlichen Arbeitnehmer um 440 000 zurück. Staatliche Kompensationsversuche (Landdienst, Arbeitsdienst, Pflichtjahr) konnten keinen (qualitativen) Ersatz für die "Landflucht" schaffen. Trotz dieser Probleme und Widersprüche "gelang" es, den Selbstversorgungsgrad von 68 % im Jahr 1927/28 auf 83 im Jahr 1938/39 zu erhöhen. Die "Fettlücke" konnte allerdings nicht geschlossen werden.

    Den zweiten wichtigen Teilbereich der Agrarpolitik bildeten die Maßnahmen zur strukturellen Veränderung der Landwirtschaft. Hier ist zum einen die Entschuldungspolitik zu nennen, die in größerem Maßstab fortsetzte, was schon in der Osthilfe begonnen worden war, zum anderen das Erbhofgesetz, das einen Teil des landwirtschaftlichen Besitzes aus dem freien Gütermarkt herausnehmen sollte, um eine künftige Besitzzersplitterung und Verschuldung auszuschließen. Die damit verbundenen Zwänge für die Betroffenen und v. a. die nur mehr eingeschränkten Kreditmöglichkeiten für die Erbhöfe machten dieses Gesetz jedoch zum Prototyp verfehlter Strukturpolitik auf dem Agrarsektor.