Agrarprogramm

    Aus Lexikon Drittes Reich

    ("Parteiamtliche Kundgebung über die Stellung der NSDAP zum Landvolk und zur Landwirtschaft" vom 6. 3. 30), primär aus wahltaktischen Überlegungen entstandene agrarpolitische Verlautbarung der NSDAP, die damit von der seit Beginn der Weltwirtschaftskrise wachsenden Unzufriedenheit der ländlichen Bevölkerung zu profitieren versuchte; von Darré formuliert. Neben Vorschlägen für eine allgemeine Verbesserung der Landwirtschaft bestand die zentrale Forderung in einer "deutschen Bodenpolitik"; damit waren u. a. das Verbot einer Verpfändung des Bodens an private Kreditgeber und ein allgemeines Anerbenrecht gegen die Zersplitterung und Schuldenbelastung der landwirtschaftlichen Betriebe gemeint. Entgegen Punkt 17 des Parteiprogramms vom 24. 2. 20 sah man nun von Bodenenteignungen ab. Spezifisch nationalsozialistisch waren die antisemitischen ("nur deutsche Volksgenossen dürfen Besitzer deutschen Bodens sein") und expansionistische (Schaffung von Ernährungs- und Siedlungsraum) Elemente des Agrarprogramms. Insgesamt war das vage formulierte Agrarprogramm auf entsprechende Erwartungen und Bedürfnisse, Emotionen und latente Ressentiments der Landbevölkerung ausgerichtet. Der Erfolg, den die NSDAP bei der Reichstagswahl vom 14. 9. 30 gerade bei jener Bevölkerungsgruppe erzielte, gab dieser Politik recht.