Ahnenerbe

    Aus Lexikon Drittes Reich

    am 1. 7. 35 als "Studiengesellschaft für Geistesgeschichte Deutschen Ahnenerbes" in Berlin gegründete "Lehr- und Forschungsgemeinschaft" der SS; Initiatoren: Himmler (seit 1937 Präsident), W. Darré und "Geistesurgeschichtsforscher" H. Wirth; Reichsgeschäftsführer mit Sitz in Waischenfeld: W. Sievers (1948 in Nürnberg gehenkt); 1944 ca. 40 wissenschaftlichen Abteilungen, die aber kaum interdisziplinär, sondern weitgehend nebeneinander her arbeiteten. Ahnenerbe, das renommierte Wissenschaftler wie völkische Konjunkturritter beschäftigte, sollte zunächst die germanische Vorgeschichte unter rassischen Gesichtspunkten erforschen, das Studium der deutschen Volkskunde fördern und wissenschaftliche Belege für die nationalsozialistische Weltanschauung zusammentragen. Das führte schon vor dem Krieg zum Ausgreifen in die Naturwissenschaften und nach 1939 zu direkt kriegsbezogenen Forschungsprojekten, u. a. den wehrmedizinischen Menschenversuchen von S. Rascher (KZ Dachau) und A. Hirt (KZ Natzweiler). Das Ahnenerbe propagierte auch im von Deutschen besetzten Ausland im Sinne des großgermanischen Konzepts der SS den "Germanischen Wissenschaftseinsatz", erzielte aber wegen mangelnden Interesses Hitlers wenig Wirkung. Selbst die Eroberung des Wissenschaftsmonopols innerhalb der SS misslang, hingegen wirkte das Ahnenerbe ungewollt für manchen von der Partei beargwöhnten oder gar verfolgten Wissenschaftler als Schutzraum.