Aktion Reinhard

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Tarnbezeichnung für die Endlösung der Judenfrage im Generalgouvernement, benannt nach dem Ende Mai 42 einem Attentat zum Opfer gefallenen RSHA-Chef Reinhard Heydrich. Mit der Durchführung der Aktion Reinhard beauftragte Himmler den SS- und Polizeiführer (SSPF) im Distrikt Lublin Globocnik. Seine Aufgabe umfasste im Wesentlichen Gesamtplanung der Deportationen und der Vernichtungsaktion, Bau von Vernichtungslagern, Koordination der Judentransporte aus den verschiedenen Verwaltungsbezirken in die Lager, Tötung der Juden, Sicherstellung der bei der Aktion Reinhard anfallenden Güter und deren Übergabe an die zuständigen Reichsbehörden. Zur Bewältigung der Aktion Reinhard gliederte Globocnik seiner Dienststelle eine Hauptabteilung ("Einsatz Reinhard") an, deren Leitung er dem Sturmbannführer Höfle (1962 in U-Haft in Wien Freitod) übertrug.


    Als Personal wurden Globocnik u. a. "erfahrene" ehemalige Mitarbeiter der Euthanasie-Aktion ("T4") zur Verfügung gestellt, die er in Schlüsselpositionen einsetzte. Einer der ersten dieser Leute war der spätere Polizeimajor (Kriminalrat) und SS-Sturmbannführer Wirth, der zunächst das Vernichtungslager Belzec aufbaute, von dort die Errichtung der Lager Sobibór sowie Treblinka beaufsichtigte und im August 42 Inspekteur der Lager wurde. Im März 42 nahm Belzec mit der Vernichtung von etwa 35 000 Juden aus dem Getto der Stadt Lublin den "Betrieb" auf. Anfang Mai 42 war Sobibór und im Juli 42 Treblinka einsatzbereit. Aufgabe der übrigen SSPF war es, die Juden in ihren Distrikten zu erfassen und den Vernichtungslagern im Bereich des SSPF Lublin zuzuführen. Die Abschiebung der Juden erfolgte in Sonderzügen mit geschlossenen Güterwagen unter dem Decknamen "Aussiedlung". Wegen kriegsbedingter Transportschwierigkeiten nahm man später davon Abstand, die Juden kleinerer Gettos in die Vernichtungslager zu bringen; sie wurden an Ort und Stelle erschossen. Von der "Aussiedlung" ausgenommen waren die in kriegswichtigen Betrieben arbeitenden Juden. Sie wurden in Arbeitslagern zusammengefasst, die den SSPF unterstanden.

    Am 19. 7. 42 setzte Himmler den Abschluss der "Aussiedlung" auf den 31. 12. 42 fest. Außer den Arbeitslager-Häftlingen sollte es zu diesem Zeitpunkt im Generalgouvernement keine Juden mehr geben. Belzec stellte Ende Dezember 42 als erstes Lager die Vernichtungen ein. In Sobibór und Treblinka verzögerte sich der Termin: Erst am 4. 11. 43 konnte Globocnik schließlich Himmler melden, dass er mit 19. 10. 43 die Aktion Reinhard abgeschlossen und die Lager aufgelöst habe. Insgesamt waren mindestens 1,75 Millionen Juden der Aktion Reinhard zum Opfer gefallen.

    Abschließend ließ Globocnik noch einen Bericht über die "verwaltungsmäßige Abwicklung der Aktion Reinhard" aufstellen, in dem "der Gesamtwert der angefallenen Gegenstände ... mit rund 180 000 000 RM" angegeben wurde. Betont wurde, dass nur Mindestwerte angenommen worden seien, die Verkehrswerte jedoch bedeutend höher lägen. Keine Erwähnung finden in dem Bericht die Werte des eingezogenen unbeweglichen Vermögens der Ermordeten. Gemäß Anordnung Himmlers vom 15. 12. 42 wurde es für Zwecke der "Festigung deutschen Volkstums" zur Verfügung gestellt, insbesondere für Umsiedler und andere bevorzugte Bewerber.