Albert Speer

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Architekt und Politiker

    geboren: 19. März 1905 in Mannheim gestorben: 1. September 1981 in London


    Studium der Architektur in Karlsruhe, München und Berlin, 1927 Diplom-Ingenieur. Aus liberalem Elternhaus stammend, war Speer für den Nationalsozialismus nicht disponiert, wurde aber durch eine Hitler-Rede vor Studenten von dessen "eigentümlicher Magie" angezogen und trat 1931 der NSDAP bei. Bauaufträge der Partei ließen seine Fähigkeiten und Neigung zu großer Repräsentation und mächtigen Dimensionen erkennen. Zum Teil lag dies an Studieneinflüssen, die den Monumentalstil der 30er Jahre (nicht nur in Deutschland) lehrten und praktizierten. Speer ging weit darüber hinaus und erweckte Hitlers gleichgerichtetes Interesse. Damit war Speers Weg als Architekt im Dienst des Dritten Reiches gewiesen, zumal Hitlers bewunderter Baumeister Troost früh starb. Einnehmendes Äußeres, Tatendrang, zeitgemäßer Kunstgeschmack, Verehrung für Hitler und dessen Sympathie-Erwiderung, dazu organisatorische Sonderqualitäten (vor allem Pünktlichkeit bei der Ausführung noch so großer Bauvorhaben) sicherten eine steile Karriere. Hitler, der für Jahrhunderte bauen wollte, erkannte in Speer ein fast mediales Exekutivorgan seiner architektonischen Herrschaftspläne. Die größte Aufgabe - bei unbegrenzten Mitteln - erfüllte Speer mit der Neuen Reichskanzlei 1939 (abgesehen von den riesigen Parteitagskulissen und den technischen Illuminationseffekten für die triumphalen Selbstdarstellungen des Regimes); die größte unerfüllte Aufgabe war die Neugestaltung Berlins als Welthauptstadt "Germania". Nur Anfänge wurden verwirklicht; der Krieg unterbrach und beendete das gigantomanische Vorhaben. Reißbrettbilder zeigen die Übermasse, die alle Vergleiche städtischer Baugeschichte hinter sich lassen.

    37-jährig wurde Speer im Februar 42 Nachfolger von Todt als Reichsminister für Bewaffnung und Munition. Zum zweiten Mal trat er damit an den Platz eines von Hitler hochgeschätzten Vorgängers, wobei er die Erwartungen, unabhängig von ihrem Wert oder Unwert, jedes Mal übertraf. Die Rüstung kurbelte Speer unter immer schlechteren Bedingungen immer stärker an, so dass sie im Jahr 1944 inmitten pausenloser Bombenangriffe erst auf Höchsttouren lief. Mit erstaunlichem organisatorischen Geschick erschloss Speer allerletzte Produktionsreserven, verlängerte dadurch allerdings den längst verlorenen Krieg. Erst als er dies erkannte, begann seine innere Wendung gegen Hitler, dessen Nero-Befehl er im März 45 sabotierte. Im letzten Kriegsstadium half er dadurch Unheil mindern. Sein Gewissen siegte über seine Loyalität.

    In Konsequenz der inneren Wendung bekannte Speer im Nürnberger Prozess Mitschuld, als einziger neben Schirach. Die Reue mag bewirkt haben, dass er trotz des bedenkenlosen Einsatzes von Zwangsarbeitern mit 20 Jahren Haft davonkam. Er verbüßte die Strafe in Spandau bis Oktober 66. Drei Jahre nach der Entlassung erschienen die "Erinnerungen". Unter der autobiographischen Literatur der nationalsozialistischen Prominenz ist es mit Abstand das bedeutendste Buch. Der Autor bleibt uneingeschränkt auf der Linie seiner Nürnberger Selbstkritik. 1975 erschienen Speers "Spandauer Tagebücher", die er aus vielen tausend hinausgeschmuggelten Zetteln, die seine Familie sammelte, zusammengestellt hat. Die Tagebücher behalten den bisherigen Tenor bei: "Niemals werde ich darüber hinwegkommen, an führender Stelle einem Regime gedient zu haben, dessen eigentliche Energie auf die Menschenausrottung gerichtet war." Sein Fazit zu Hitler, zu dessen wenigen Freunden Speer zählte, ist blanke Ratlosigkeit: "Alles Nachdenken macht ihn unfassbarer."