Alfred Helmut Naujocks

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Geheimagent

    geboren: 20. September 1911 gestorben: 4. April 1966 Hamburg


    Maschinenbau-Studium in Kiel, 1931 zur SS, ab 1934 beim SD beschäftigt, bei Kriegsbeginn als SS-Sturmbannführer im SD-Hauptamt beim Auslandsnachrichtendienst (später RSHA-Amt VI "Sabotage"). Naujocks erhielt am 10. 8. 39 von Heydrich den Auftrag, mit einem fingierten Überfall auf den Sender Gleiwitz am 31. 8. für propagandistische Flankierung des deutschen Polenfeldzugs zu sorgen. Weitere spektakuläre Aktionen Naujocks' waren die Entführung britischer Agenten aus den Niederlanden beim Venlo-Zwischenfall (9. 11. 39) und das Geldfälschungsunternehmen "Bernhard". Später geriet Naujocks wegen Widersetzlichkeit in Ungnade, wurde zur Waffen-SS abkommandiert, an der Ostfront verwundet und 1944 wieder gegen (u. a. dänische) Widerstandsorganisationen eingesetzt. Am 19. 10. 44 lief Naujocks, den US-Publizist Shirer als "intellektuellen Gangster" bezeichnete, zu den Amerikanern über. Berühmt als "der Mann, der den Zweiten Weltkrieg auslöste", wurde er dennoch in einem Kriegsverbrecherlager interniert, konnte nach Aussage im Nürnberger Prozess jedoch fliehen, lebte als Geschäftsmann in Hamburg und wurde nie gerichtlich zur Verantwortung gezogen.