Alldeutscher Verband

    Aus Lexikon Drittes Reich

    am 9. 4. 1891 als "Allgemeiner Deutscher Verband" (Namensänderung 1. 7. 1894) gegründete nationalistische Organisation, entstanden aus der Protestbewegung gegen den angeblichen Ausverkauf deutscher Interessen beim Tauschvertrag Sansibar-Helgoland. Der Alldeutsche Verband propagierte die "Zusammenfassung aller deutschen Elemente auf der Erde" zwecks aktiver deutscher Interessenpolitik in aller Welt. Sein chauvinistisch-imperialistisches Programm äußerte sich im Ersten Weltkrieg in der Propagierung überspannter Kriegsziele. In der Weimarer Republik trat dann der Kampf gegen die Demokratie und für eine nationale Diktatur in den Vordergrund. Obwohl nie sehr mitgliederstark - Höhepunkt 1922: 40 000 -, erzielte der Alldeutsche Verband mit seinen "Alldeutschen Blättern" (1894-1939) erhebliche propagandistische Wirkung, da er von einflussreichen Politikern wie etwa Hugenberg gefördert wurde. Die Nationalsozialisten bemängelten seine "reaktionären Tendenzen", übernahmen aber gleichwohl viel von der alldeutschen Terminologie: "Herrenvolk", "Lebensraum" usw. Großen Einfluss auf Hitler hatte der scharf antisemitische und antikatholische österreichische Ableger des Alldeutschen Verbands unter Schönerer. Im Dritten Reich wurde der von H. Claß geführte Verband noch bis 1939 geduldet und dann aufgelöst, angeblich weil er seine Mission erfüllt habe.