Antifaschismus

    Aus Lexikon Drittes Reich

    allgemein Gegnerschaft gegen jede Form des Faschismus, ob weltanschaulich, politisch oder organisatorisch; im engeren Sinn durch kommunistische Doktrinbildung geprägtes Schlagwort, das sich von der Bezeichnung für die Frontstellung gegen faschistische Parteien und Regime der Vergangenheit zum Etikett für den kommunistisch-revolutionären Kampf überhaupt wandelte, sozusagen als Definition des Kommunismus ex negativo.


    Als Begriff kam Antifaschismus zunächst nach der Machtübernahme Mussolinis 1922 in Italien im allgemeinen Sinn zum Tragen und meinte den Widerstand von links bis rechts gegen den Ausbau der faschistischen Herrschaft. Er dehnte sich auf den politischen Kampf gegen faschistische Bewegungen in anderen Staaten aus und wurde in Verkennung der viel weiterreichenden Ziele des Nationalsozialismus auf die Bekämpfung der Hitlerbewegung übertragen. Hier zeigten sich erste Folgen der kommunistischen Theorie, die im Faschismus - und im Nationalsozialismus als einer seiner Spielarten - nur ein Symptom der finalen Krise des Kapitalismus sah. Die Sozialdemokratie wurde in dieser Sicht als linke Seite derselben Medaille zum "Sozialfaschismus" und Antifaschismus damit der Kampf gegen alle Formen bürgerlicher Herrschaft, der getragen werden müsse von einer "Einheitsfront von unten", die alle Werktätigen zusammenfassen und den unvermeidlichen Sieg der Arbeiterklasse vollenden werde.

    Diese illusionäre Haltung übertraf alle anderen Erscheinungsformen des Antifaschismus an Geschlossenheit und Kompromisslosigkeit, differenziertere Betrachtungsweisen verblassten dahinter. Daher blieb der Anschluss nach Hitlers Sieg und der dadurch aufgedeckten ideologischen Fehlkalkulation bei der kurzschlüssigen Gleichsetzung von Faschismus und Nationalsozialismus und er blieb kommunistisch geprägt. Zwar propagierte die KPD auf der so genannten Brüsseler Konferenz in Moskau im Oktober 35 einen neuen Kurs der Volksfront für den antifaschistischen Kampf unter Einschluss aller Hitlergegner, beanspruchte aber weiter die politische Führung. Das erschwerte auf Dauer die Kooperation mit den bürgerlichen Formen des Antifaschismus, aber auch mit jüdischen Organisationen, da die Einsicht in den rassistischen Charakter des Nationalsozialismus nur rudimentär entwickelt oder gar durch traditionellen Antisemitismus blockiert war. Diese "Geburtsfehler" des Antifaschismus schwächten den deutschen Widerstand nachhaltig.

    Aber auch international fand das Volksfront-Konzept nach dem Scheitern der Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg wenig Anklang, zumal der Deutsch-Sowjetische Nichtangriffsvertrag vom 23. 8. 39 Verwirrung stiftete. Träger des Antifaschismus und seines Widerstands in den von Deutschen besetzten Gebieten im Zweiten Weltkrieg waren in West- und Nordeuropa bürgerliche Kräfte, die allenfalls punktuell Aktionsgemeinschaften mit kommunistischen Gruppen bildeten. Ausnahmen waren der "Comitato di Liberazione Nazionale" (CLN) 1943 in Italien als gemeinsamer Befreiungsversuch im Mutterland des Faschismus und die Partisanenbewegung von Tito in Jugoslawien, die sich nicht auf eine nationale Klammer stützen konnte. Da sich die vielfältigen Formen des Kampfs gegen Faschismus und Nationalsozialismus nur schwer unter einem Oberbegriff bündeln lassen, verschwimmt die historische Wortbedeutung mit dem heutigen agitatorischen Gebrauch der Bezeichnung Antifaschismus in der Propaganda der sozialistischen Staaten gegen angeblich und tatsächlich faschistische oder "faschistoide" Regime.