Arierparagraph

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Bestimmung zum Ausschluss von Juden aus Vereinen, Verbänden, Parteien und schließlich dem gesamten öffentlichen Leben. Zurückgehend auf antisemitische Vereinssatzungen und Parteiprogramme Ende des 19. Jahrhunderts (z. B. Deutsch-soziale Partei 1889), tauchte der Arierparagraph im Dritten Reich erstmals bei der Formulierung des Berufsbeamtengesetzes auf. Er bestimmte, dass im öffentlichen Dienst - insbesondere als Beamter - nur beschäftigt werden durfte, wer arischer Abstammung sei, also keinen jüdischen Großeltern- oder Elternteil habe (Abstammungsnachweis). Der Arierparagraph wurde schon am 25. 4. 33 im "Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen" auf die Ausbildung ausgeweitet und am 30. 6. 33 dahingehend verschärft, dass bereits die Ehe mit einem "Nicht-Arier" zum Ausschluss von der Laufbahn im Staatsdienst genügte. Auf Druck der NSDAP übernahmen im Zug der Gleichschaltung zahlreiche Verbände und Organisationen den Arierparagraphen; so versperrte er Juden die kassenärztliche Zulassung, entzog ihnen öffentliche Ehrenämter, vertrieb sie aus den Redaktionen (Schriftleitergesetz) und Theatern (Reichskulturkammer), nahm ihnen die Bauernfähigkeit (Erbhofgesetz) und steigerte sich in den Nürnberger Gesetzen zur "endgültigen Scheidung des Judentums vom deutschen Volke". Gab es anfangs noch Ausnahmen von dieser Diskriminierung (Frontkämpfer, Verdienste um die Nationale Erhebung, Ehrenarier u. a.), so traf nun alle Juden und "jüdischen Mischlinge" fast totales Berufsverbot. Der Arierparagraph wurde weitgehend ohne Proteste hingenommen, nur in der evangelischen Kirche kam es über ihn zur Abspaltung der Bekennenden Kirche.