Arthur Seyß-Inquart

    Aus Lexikon Drittes Reich

    österreichischer Politiker

    geboren: 22. Juli 1892 in Stannern, Mähren gestorben: 16. Oktober 1946 in Nürnberg


    1921 Rechtsanwalt in Wien. Als Verfechter eines Anschlusses Österreichs an Deutschland engagierte sich Seyß-Inquart in nationalen Verbänden (u. a. Österreichisch-Deutscher Volksbund, Steierischer Heimatschutz) und stand ab 1931 der österreichischen NSDAP nahe. Da er aber noch nicht Mitglied war, wählte ihn Schuschnigg zum Verbindungsmann zur nationalen Opposition und ernannte ihn im Gefolge des Juliabkommens im Juni 37 zum Staatsrat, um die Spannungen zu Berlin abzubauen und weitergehenden Konzessionen vorzubeugen. Nach dem Berchtesgadener Diktat vom 12. 2. 38 musste Schuschnigg Seyß-Inquart zum Minister für die innere Verwaltung und Sicherheit berufen. Seyß-Inquart verfügte damit über die Polizei, wurde auf deutschen Druck am 11. 3. 38 Bundeskanzler und rief die bereits marschierenden deutschen Truppen ins Land, das dem Reich angegliedert wurde. Seyß-Inquart erhielt am 16. 3. 38 die Reichsstatthalterschaft (bis 30. 4. 39), wurde zum SS-Obergruppenführer ernannt und im Mai 39 Reichsminister ohne Portefeuille. Nach dem Polenfeldzug war er Stellvertreter des Generalgouverneurs H. Frank, bevor er im Mai 40 als Reichskommissar in die besetzten Niederlande ging. Hier regierte er bis zum Kriegsende und war mitverantwortlich für die Judendeportationen in die Vernichtungslager, für Geiselerschießungen, Ausbeutung der niederländischen Wirtschaft, Verschleppung von Fremdarbeitern und Unterdrückung aller politischen Gruppierungen außer der Nationaal Socialistische Beweging Musserts. 1945 von kanadischen Truppen festgenommen, wurde Seyß-Inquart in Nürnberg als Hauptkriegsverbrecher angeklagt und am 1. 10. 46 zum Tod verurteilt.