Arvid von Harnack

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Wirtschaftswissenschaftler und Widerstandskämpfer

    geboren: 24. Mai 1901 Darmstadt gestorben: 22. Dezember 1942 Berlin-Plötzensee


    Studium der Nationalökonomie u. a. in den USA, dort Ehe mit der amerikanischen Literaturprofessorin Mildred Fish (* Milwaukee 16. 9. 1902, † Berlin-Plötzensee 16. 2. 1943), nach der Rückkehr Eintritt ins Wirtschaftsministerium. Harnack gehörte 1931 zu den Gründern der "Arbeitsgemeinschaft zum Studium der sowjetischen Planwirtschaft" und erhoffte für Deutschland eine Rolle als geistige und wirtschaftliche Brücke zwischen Ost und West. Nach der Machtübernahme sammelte er um sich und seine Frau einen kleinen Kreis von Intellektuellen, auch Kommunisten, aus dem eine Widerstandsgruppe erwuchs. 1936 nahm Harnack, der Zugang zu den geheimsten Plänen der Schwer- und Rüstungsindustrie hatte, erstmals Kontakt mit dem sowjetischen Geheimdienst auf, da er die "Ungeheuerlichkeit des Nationalsozialismus" nur mit Unterstützung von außen für besiegbar hielt. 1939 schloss Harnack seinen Kreis mit der Gruppe um Schulze-Boysen zusammen; die so entstandene, später von der Gestapo als Rote Kapelle verfolgte Gruppierung verband jetzt Widerstand (Sabotage, Fluchthilfe) mit Spionagetätigkeit für die UdSSR. Seit längerer Zeit unter Beobachtung, wurden Harnack, seine Frau und zahlreiche Freunde 1942 verhaftet. Als einer der Leiter der Roten Kapelle wurde Harnack nach Folterungen wegen "Hochverrats" zum Tod verurteilt und hingerichtet.