Auslese

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Kernbegriff der nationalsozialistischen biologistischen Weltanschauung. In Übertragung der Abstammungslehre Darwins auf Menschheitsgeschichte und Gesellschaft (Sozialdarwinismus) wurde die politische und rassische Gegenwart als Ergebnis einer ständigen Auslese im Kampf ums Dasein interpretiert. Dabei sei die segensreiche natürliche Auslese zunehmend von einer kulturzerstörerischen Gegenauslese abgelöst worden, der durch Erbpflege und Rassenhygiene Einhalt zu gebieten sei. Geschlechtskrankheiten besonders der vitalen Individuen, kostspielige "Erhaltung Erbuntüchtiger", Kriege, Auswanderung der Aktiven, späte Heirat der besonders Befähigten seien für wachsende Fortpflanzung ungeeigneter, erbkranker Personen verantwortlich, die allmählich den Rassekern des Volks zerstören würden. Die nationalsozialistischen Bevölkerungspolitiker sahen daher ihre Aufgabe darin, diesen Trend durch züchterische Maßnahmen umzukehren, die vom Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses über Zwangssterilisation bis zur Euthanasie reichten.

    Der Begriff Auslese wurde auch in der Pädagogik (Ausleseschulen) und Parteischulung (Führerauslese) verwendet.