Austrofaschismus

    Aus Lexikon Drittes Reich

    österreichische Spielart des Faschismus, repräsentiert v. a. von den bewaffneten Selbstschutzverbänden der Heimwehren in den 20er und 30er Jahren. Die Ideologie des Austrofaschismus speiste sich zunächst aus nationalistischen Quellen und völkischem Gedankengut nach dem Untergang des habsburgischen Vielvölkerstaats. Gegen den demokratischen Neubeginn und die marxistischen Elemente in Verfassung und Regierung sammelte sich in den Heimwehren heterogenes Protestpotential. Sie entwickelten sich, von Christlich-Sozialen und Großdeutschen gefördert, von der Industrie unterstützt, zu Kampfverbänden des bürgerlichen Lagers gegen die Arbeiterorganisationen der Sozialdemokraten und des Republikanischen Schutzbunds. Faschistische Tendenzen kulminierten nach den Juliunruhen 1927 unter dem Einfluss des Kreises um O. Spann. Nun kam auch massive finanzielle Hilfe aus dem faschistischen Italien, dessen programmatischer Einfluss im so genannten Korneuburger Eid vom 18. 5. 30 spürbar wurde: Ablehnung des Parlamentarismus, Forderung nach staatlicher Machtergreifung und Überwindung des liberal-kapitalistischen Wirtschaftssystems und des Klassenkampfs, Führerprinzip.


    Ähnlichkeiten zwischen Austrofaschismus und frühem Nationalsozialismus waren unverkennbar, aber auch das Trennende wurde in der Weiterentwicklung des Austrofaschismuskonzepts zum österreichischen Ständestaat deutlich: Katholische und bürgerliche Fundierung des Austrofaschismus führte nach der ständischen Verfassung Österreichs vom 1. 5. 34 unter Kanzler Dollfuß zu unüberbrückbarem Gegensatz zum Natioalsozialismus. Heimwehren, von denen sich noch 1933 Teile den Nationalsozialisten angeschlossen hatten, beteiligten sich am 25. 7. 34 aktiv an der Niederschlagung des nationalsozialistischen Putsches. Anhänger der NSDAP füllten danach die Anhaltelager. Umgekehrt wurde etwa O. Spann als ideologischer Ziehvater des Austrofaschismus nach dem Anschluss 1938 verhaftet und danach mit Lehrverbot belegt, Heimwehrführer Starhemberg ging ins Exil.