Balkanfeldzug

    Aus Lexikon Drittes Reich

    zusammenfassende Bezeichnung für die Operationen der deutschen Wehrmacht gegen Jugoslawien und Griechenland vom 6. 4. 41 bis 1. 6. 41. Seit dem italienischen Angriff auf Griechenland von Albanien aus am 28. 10. 40 war der Balkan Kriegsgebiet. Nach italienischen Anfangserfolgen waren die Griechen zum Gegenangriff angetreten und tief ins italienische Albanien eingedrungen. Zur Abwendung einer Niederlage des Verbündeten ordnete Hitler die Planung deutscher Hilfe (Weisung Nr. 18 vom 20. 11. 40) und eines Angriffs auf Griechenland an (Weisung Nr. 20 für das Unternehmen "Marita" vom 13. 12.). Als Reaktion für den dazu erforderlichen deutschen Aufmarsch in Bulgarien landete Großbritannien bis zum 24. 4. 41 ca. 58 000 Mann in Griechenland.

    Fast zur selben Zeit stürzte ein Staatsstreich in Jugoslawien die deutsch-freundliche Regierung des Prinzen Paul, so dass sich Hitler entschloss, "Jugoslawien militärisch und als Staatsgebilde zu zerschlagen" (Weisung Nr. 25). Zum Balkanfeldzug traten am 6. 4. 41 acht deutsche Divisionen gegen Griechenland und 15 gegen Jugoslawien an, unterstützt von 780 Flugzeugen. Nach Durchbrechen der griechischen Metaxas-Linie erreichten deutsche Panzer am 9. 4. Saloniki. Die Bedrohung von Norden zwang die Griechen zum Abzug aus Albanien. Inzwischen wurden die 32 jugoslawischen Divisionen zerschlagen oder lösten sich auf, so dass am 17. 4. General Kalafatovic die jugoslawische Kapitulation unterzeichnen musste. Am gleichen Tag genehmigte das britische Oberkommando die Räumung Griechenlands, drei Tage später kapitulierte die griechische Epirus-Armee. Am 27. 4. fuhren deutsche Panzer in Athen ein und am 30. 4. war die deutsche Besetzung des griechischen Festlands inklusive Peloponnes abgeschlossen. 344 000 jugoslawische, 218 000 griechische und 10 682 britische Soldaten gerieten in deutsche Gefangenschaft. Die deutschen Verluste betrugen 2 559 Tote, 3 169 Vermisste und 5 820 Verwundete; die Luftwaffe verlor 158, die Royal Air Force 209 Maschinen.

    Als letzte griechische Bastion blieb Kreta, verteidigt von 31 000 Briten und 10 258 Griechen. Die Wehrmacht stellte zur Eroberung das XI. Fliegerkorps (General Student) mit einer Fallschirmjäger- und einer Gebirgsdivision bereit, die vom 20. 5. 41 an auf Kreta abgesetzt wurden, dazu Seetransportgruppen, die durch die britische Flotte schwere Verluste erlitten. Nach sieben Tagen gaben die Verteidiger auf und räumten die Insel bis 1. 6. Insgesamt verloren die Engländer 15 743 Mann und 2 011 Marinesoldaten, 10 700 britische Soldaten und 5 000 Griechen gingen in Gefangenschaft. Die schweren Opfer auf deutscher Seite (6 580 Mann, davon 3 250 Tote und Vermisste) führten zum Verzicht auf künftige Luftlandeunternehmen. Der Balkanfeldzug hatte zudem den längst geplanten Russlandfeldzug um mehrere Wochen und damit vielleicht kriegsentscheidend verzögert.