Bauerntum

    Aus Lexikon Drittes Reich

    von den nationalsozialistischen Blut-und-Boden-Ideologen als "Blutquell" und "wichtigstes Grundelement" von Rasse und Nation bezeichneter Stand. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts vollzogen sich wirtschaftliche Veränderungen, Konzentrations- und Industrialisierungsprozesse auf dem Land krasser als in der Stadt, soziale Deklassierung führte zu starkem konservativem Widerstand, der in der Landvolkbewegung (1928-30) in örtliche Unruhen gipfelte. Der vom Kapitalismus bedrohte Landbesitz wurde vom städtischen Bürgertum poetisch (Bauerndichtung), von der NSDAP dann mythisch verklärt. Aus politischen (Autarkie) wie ideologischen Gründen wurde das Bauerntum, das man neben "Arbeiter- und Soldatentum" als staatstragende Schicht sah, besonders gefördert; im Reichsamt für Agrarpolitik wurde zur Brauchtumspflege sogar ein Amt für Bauernkultur eingerichtet.