Bayreuther Festspiele

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Aufführung der Opern von Richard Wagner im eigenen Festspielhaus in Bayreuth, erstmals 1876, seit 1883 jährlich. Da Wagner seine Musikdramen an bestehenden Bühnen nie zur vollen Wirkung kommen sah, wollte er sie durch jedermann zugänglichen "beispielgebenden künstlerischen Leistungen" einem idealen Publikum zu "wirklichem Gefühls-Verständnis" mitteilen. Um die Bayreuther Festspiele scharte sich seit Ende des 19. Jahrhunderts ein Kreis nationaler, völkisch gesinnter Künstler, Kritiker und Förderer, die in den Festspielen "das Wesen des Germanentums" (Erbprinz Hohenlohe) sahen, ein "Widerstandszentrum" gegen die "moderne Verfallskultur". Wagners Verarbeitung germanischer Mythologie, seine Betonung des Irrational-Mythischen traf den Zeitgeschmack ebenso wie die Orientierung an der Klassik und der kultische Charakter der Inszenierungen.


    Unter Leitung von Winifred Wagner (seit 1930) erhielten die Bayreuther Festspiele eine "entschieden völkisch-nationale" Ausrichtung. Winifred war, seit 1926 NSDAP-Mitglied, mit Hitler freundschaftlich verbunden und sah in ihm den "eifrigen und mächtigen Förderer der Festspiele". Für Hitler galt die Verbindung "deutscher Tonkunst und deutscher Dichtkunst" in den Wagneropern als künstlerische Hochform. Die Nationalsozialisten knüpften zudem an die rassistischen und antisemitischen Überzeugungen Wagners an, deuteten seinen Heldenkult in chauvinistischem Sinn und feierten die Bayreuther Festspiele als "nationale Weihespiele".