Behemoth

    Aus Lexikon Drittes Reich

    alttestamentarisches Ungeheuer (Hiob 40, 15-24); als Begriff von Th. Hobbes (1588-1679) zur Charakterisierung eines Zustands völliger Recht- und Gesetzlosigkeit verwendet. Der emigrierte Jurist Franz Neumann (1900-1954) übernahm die Bezeichnung Behemoth für das nationalsozialistische Herrschaftssystem 1942, weil "der Nationalsozialismus ein Unstaat ist oder sich dazu entwickelt, ein Chaos, eine Herrschaft der Gesetzlosigkeit und Anarchie, welche die Rechte wie Würde des Menschen 'verschlungen' hat". Nach Neumann beruhte der Nationalsozialismus soziologisch auf einer Interessenkoalition zwischen den Eliten von Partei, Bürokratie, Wirtschaft und Militär, die zum gegenseitigen Nutzen in wechselnden Formen zusammenarbeiteten. Neumanns umfassende Analyse des nationalsozialistischen Herrschaftssystems ist insbesondere für die Zeit seit 1938 zutreffend (auch Doppelstaat).