Belgien

    Aus Lexikon Drittes Reich

    im Westen an Deutschland grenzendes Königreich mit 30 440 km² und 8,3 Millionen Einwohnern (1939). Belgien gewann durch den Versailler Vertrag Eupen-Malmedy, gab den traditionellen Neutralitätskurs auf und suchte Anlehnung an Frankreich (Militärbündnis 1920), das es im Ruhrkampf unterstützte. Innenpolitisch beherrschte weiter der Gegensatz zwischen den fast gleichstarken Bevölkerungsgruppen der Wallonen und Flamen die Szene, die sich durch Einführung des allgemeinen Wahlrechts (1919) gewandelt hatte: Die katholische Mehrheit (seit 1884) ging verloren, rasch wechselnde Koalitionsregierungen behinderten eine ruhige politische und wirtschaftliche Entwicklung. Damit wuchs der Einfluss des Königs (seit 1934 Leopold III.) als Klammer zwischen wallonischen (Rexisten) und flämischen Nationalisten.

    Im belgisch-deutschen Verhältnis war nach dem Locarnopakt eine Entspannung eingetreten, die nach Hitlers Machtübernahme gefährdet war durch die französischen Bindungen. Leopold III. verkündete daher und angesichts der Schwäche der Westmächte (Appeasement) die Rückkehr zur Neutralität (14. 10. 36). Das bewahrte Belgien nicht vor der deutschen Besetzung im Frankreichfeldzug. Der König blieb in Belgien, während sich in London eine belgische Exilregierung bildete. Unter deutscher Besatzung (bis September/Oktober 44) wurden 18 000 Belgier wegen Widerstands in deutsche KZ deportiert, 24 387 belgische Juden fielen der Endlösung zum Opfer, 140 000 Zwangsarbeiter wurden für die deutsche Rüstungsindustrie rekrutiert. Zu einer schweren Belastung der belgischen Nachkriegsgeschichte wurde die Kollaboration, sichtbar in den Freiwilligenverbänden der Waffen-SS: Flämische Legion und Panzerdivision "Wallonie" (Degrelle), je etwa 20 000 Mann.