Belzec

    Aus Lexikon Drittes Reich

    nationalsozialistisches Vernichtungslager an der südöstlichen Grenze des Distrikts Lublin im Generalgouvernement; Baubeginn im Spätherbst 41. Anfang März 42 war Belzec fertig gestellt, und Mitte März liefen die Vernichtungsmaßnahmen im Rahmen der Endlösung an. Vergasungen wurden zunächst in einer mit Blech ausgeschlagenen Holzbaracke durchgeführt, die 100 bis 150 Personen aufnehmen konnte. Später errichtete die SS ein Steingebäude mit sechs Gaskammern, die etwa 1 500 Personen fassten. Nach anfänglichen Versuchen mit Flaschengas verwendete man aus Kostengründen schließlich Abgase aus einem Panzer- bzw. Lkw-Motor als Tötungsmittel. Erster Kommandant von Belzec war SS-Hauptsturmführer und Polizeihauptmann Ch. Wirth, der bereits am Euthanasie-Programm mitgewirkt hatte. Er wurde abgelöst von dem SS-Hauptsturmführer Hering, der gleichfalls der Polizei angehörte. Das Lagerpersonal bestand teilweise aus ehemaligen Mitarbeitern der Euthanasie-Aktionen, im übrigen aus abkommandierten Angehörigen der SS und Polizei. Die Wachmannschaft setzte sich aus ukrainischen Hilfswilligen und Volksdeutschen zusammen.


    Nach Ankunft von "Umsiedlerzügen" in Belzec trieb man aus Sicherheitsgründen zunächst die jüdischen Männer und dann die Frauen und Kinder in die Gaskammern, die aus Tarnungsgründen wie Duschbäder ausgestattet waren. Der Vergasungsvorgang dauerte etwa zehn Minuten. Nach Lüftung der Gaskammern erfolgte deren Räumung durch "Arbeitsjuden". Bevor die Leichen in die in der Nähe befindlichen, bereits ausgehobenen Gruben geworfen wurden, durchsuchten sie besondere Häftlingskommandos nach Wertgegenständen (Goldzähne, Ringe). Anfang Dezember 42 stellte die SS die Vernichtungen ein. Bis März 43 wurden die Leichen exhumiert und verbrannt (Enterdungsaktion) und hiernach das Lager aufgelöst.

    In Belzec sind mindestens 400 000 Juden ermordet worden. Die tatsächliche Anzahl der Opfer liegt wahrscheinlich bei über 600 000. Der erste Bericht über Belzec ist kurz vor Kriegsende von dem SS-Obersturmführer der Waffen-SS Gerstein verfasst worden, der 1942 als Angehöriger der Abteilung Sanitätswesen des SS-Führungshauptamts dem Lager dienstlich einen Besuch abstatten musste. Der Bericht war zeitweilig sehr umstritten, zumal er einige Ungenauigkeiten enthält. Zwischenzeitlich wurde er jedoch im Rahmen von Ermittlungen der Ludwigsburger Zentralstelle in allen wesentlichen Punkten bestätigt.