Benito Mussolini

    Aus Lexikon Drittes Reich

    italienischer Politiker

    geboren: 29. Juli 1883 in Predappio bei Forlì gestorben: 28. April 1945 in Giulino di Mezzegra am Comer See


    schwere Jugend, 1900 Eintritt in die Sozialistische Partei (PSI), 1901 Lehrerexamen, 1902-04 Wanderjahre in der Schweiz, 1905/06 Wehrdienst bei den Bersaglieri, 1909 Gründung und bis 1912 Leitung der Wochenzeitung "Lotta di Classe", mehrmals Haft wegen Volksaufwiegelung, 1912 Chefredakteur des sozialistischen Zentralorgans "Avanti" (Verfünffachung der Auflage in zwei Jahren); ab 1909 Zusammenleben mit Rachele Guidi (1915 standesamtlich, 1925 kirchliche Trauung; fünf Kinder). Eher von der Elitetheorie Paretos, dem "Herrenmenschtum" Nietzsches und dem Syndikalismus Sorels beeinflusst als von Marx, trennte sich Mussolini 1914 von den Sozialisten und gründete am 14. 11. 14 mit dem "Popolo d'Italia" seine eigene Zeitung, in der er wie D'Annunzio für einen Kriegseintritt Italiens auf Seiten der Entente agitierte. 1915 bis zu einer Verwundung im Februar 17 war Mussolini Soldat und sammelte danach unzufriedene ehemalige Kriegsteilnehmer und enttäuschte Sozialisten um sich, gründete am 23. 3. 19 die "Fasci di Combattimento" (Kampfbünde) und nahm den Kampf gegen die zunehmend sozialistischen Unruhen, den Parlamentarismus und die Auswüchse des Kapitalismus auf. Im November 21 baute er seine Bewegung zur Partei aus (Partito Nazionale Fascista, PNF) und ließ am 28. 10. 22 seine "Schwarzhemden" auf Rom marschieren. Am 31. 10. 22 wurde Mussolini Ministerpräsident einer Koalitionsregierung.

    Mussolinis Bewegung mit dem Symbol des Rutenbündels (lateinisch fascis), im antiken Rom Amtszeichen der Liktoren, gab der bald auch außerhalb Italiens aufstrebenden Zeitströmung des Faschismus den Namen. Er definierte sich primär durch Feindbilder: Sozialisten, Kommunisten, Liberale, Demokraten sollten in seinem autoritären Staat keinen Platz haben. Nach kurzem taktischen Kompromiss baute Mussolini daher einen korporativen (Carta del Lavoro) "stato totalitario", eine Einparteiendiktatur, auf, nannte sich in seiner Staatsposition nicht mehr Ministerpräsident, sondern ab 1925 "Capo del Governo" (Regierungschef) und als Parteivorsitzender schon ab 1922 "Duce" (Führer). Seine absolute Machtstellung, untermauert durch den Oberbefehl über die faschistischen Milizen, die Präsidentschaft im Faschistischen Großrat, zahlreiche Ministerämter (bis zu acht) und das Kommando über die Streitkräfte als "Erster Marschall des Imperiums" (ab 1938), war im Gegensatz zu Hitlers Diktatur durch Bündnisse mit den traditionellen Eliten eingeschränkt. Mussolini ließ die Monarchie ebenso unangetastet wie die Großindustrie und die Kirche, mit der er in den Lateranverträgen 1929 einen Ausgleich fand und sich damit innen- wie außenpolitisch ein erhebliches Vertrauenskapital schuf.

    Hatte Mussolini im Innern v. a. ordnungspolitisch durch die Zwangsmaßnahmen des Polizeistaats und wirtschaftlich durch Ausschaltung des gewerkschaftlichen Elements und staatliche Arbeitsbeschaffung (u. a. Trockenlegung der Pontinischen Sümpfe) Erfolge, so faszinierte der demagogisch geschickte Redner die Massen mit außenpolitischen Versprechungen von neuer imperialer Größe Italiens. Die Eroberung Abessiniens 1935/36, der Anteil am Sieg Francos im Spanischen Bürgerkrieg, der Griff nach Albanien 1939 schienen eine Hegemonie Italiens im Mittelmeer, dem "mare nostro", in greifbare Nähe zu rücken. Die Achse mit dem aufstrebenden nationalsozialistischen Deutschland versprach reiche Beute, als sich die Wehrmacht im Polen- und Frankreichfeldzug als unbesiegbar zu erweisen schien. Trotz der Warnungen zahlreicher Berater, u. a. Cianos und Badoglios, trat Mussolini daher am 10. 6. 40 in den Krieg ein, um mit "ein paar tausend Toten" das Recht zu erwerben, mit am Siegertisch zu sitzen. Das machte ihn zum Gefangenen des nie begriffenen weltanschaulichen Kriegs Hitlers, der ihm im Balkan- und im Afrikafeldzug half und ihn endgültig an sich und seinen eigenen Untergang band. Am 25. 7. 43 entzog der Faschistische Großrat Mussolini zwar das Vertrauen und billigte seine Verhaftung, doch vermochte dies Italien nicht aus dem Krieg zu lösen, da deutsche Fallschirmjäger den "Duce" am 12. 9. 43 befreiten und damit das Land zusätzlich in einen Bruderkrieg stürzten. In Salò etablierte Mussolini auf Hitlers Wunsch seine Marionetten-"Repubblica Sociale Italiana", ließ die "Verräter" des 25. Juli, darunter sein Schwiegersohn Ciano, aburteilen und beschwor einen blutigen Partisanenkrieg herauf. Ihm fiel er selbst zum Opfer, als er am 27. 4. 45 auf der Flucht in die Schweiz von Widerstandskämpfern erkannt und am nächsten Tag zusammen mit seiner Geliebten Clara Petacci erschossen wurde. Sein Mythos aber blieb bis heute im Neofaschismus lebendig.