Bergen-Belsen

    Aus Lexikon Drittes Reich

    nationalsozialistisches KZ im Kreis Celle (seit März 43), Mitte Juli 43 fertig gestellt, bestimmt zur Aufnahme von ca. 10 000 weiblichen und männlichen jüdischen Häftlingen verschiedener europäischer Nationalitäten, denen Auswanderung zum Austausch gegen deutsche Heimkehrer versprochen war. Die Insassen durften zunächst nicht zur Arbeit herangezogen werden, erst seit 1944 galt für einen Teil der Häftlinge Arbeitszwang (Entladen von Waggons, Erdarbeiten u. a.). Bergen-Belsen gliederte sich in einzelne Abteilungen, die größte war das Sternlager ("Judenstern"). An zweiter Stelle stand das so genannte " Neutralenlager" für nichtaustauschfähige Juden aus neutralen Staaten. Die Verpflegungs-, Unterbringungs- und hygienischen Verhältnisse entsprachen dem in KZ üblichen unzulänglichen Standard. Die Häftlinge wurden – obwohl Bergen-Belsen als Vorzugslager galt – von den Block- und Kommandoführern schikaniert und misshandelt.

    Austauschaktionen gab es 1944 nach Palästina (222 Personen) gegen dort internierte deutsche Staatsbürger, in die Schweiz (1 685 ungarische Juden) gegen eine Kopfquote von rund 1 000 Dollar sowie in die USA und Nordafrika (rund 800 Personen) im Austausch gegen in Amerika internierte deutsche Bürger. Im Lauf des Jahrs 1943 kamen aus anderen KZ kranke Häftlinge in eine gesonderte Abteilung (Erholungslager), in der schließlich etwa 2 000 Häftlinge untergebracht wurden. Mangel an Medikamenten und miserable hygienische Verhältnisse führten zu vielen Todesfällen. V. a. im Juni/Juli 44 wurden zahlreiche schwerkranke Häftlinge durch Phenoleinspritzungen getötet. Neben dem "Erholungslager" wurde Mitte August ein "Einweisungslager" (Zeltlager) für polnische Frauen eingerichtet, das Ende 44/Anfang 45 durch Tausende kranke weibliche Häftlinge aus Auschwitz (unter ihnen Anne Frank) total überfüllt wurde. Gegen Kriegsende diente Bergen-Belsen dann als Auffanglager für zigtausend aus anderen KZ evakuierte Häftlinge. Es kam zur Katastrophe: Seit Februar 45 wurden die Neuankömmlinge nicht einmal mehr registriert. Die Verluste durch Hunger, Seuchen und Erschöpfung waren schrecklich. Allein von Anfang Januar 45 bis Mitte April 45 starben in Bergen-Belsen rund 35 000 Menschen. Als der Kommandant Josef Kramer am 15. 4. 45 das Lager an die Engländer übergab, befanden sich in Bergen-Belsen noch ca. 60 000 Überlebende, von denen nach der Befreiung noch 13 000 an Erschöpfung und Seuchen u. a. starben. Kramer wurde von den Engländern zum Tod verurteilt und hingerichtet, sein Vorgänger Rudolf Haas 1950 für tot erklärt.