Bertolt Brecht

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Schriftsteller

    geboren: 10. Februar 1898 in Augsburg gestorben: 14. August 1956 in Berlin


    Sanitätssoldat im Ersten Weltkrieg; unstetes Studieren (Naturwissenschaften, Medizin, Literatur); Theaterkritiker, Dramaturg (u. a. bei M. Reinhardt 1924 bis 26). Mit der "Dreigroschenoper" (1928) berühmt geworden, galt der Marxist Brecht den Nationalsozialisten als Inbegriff des "Asphaltliteraten", dessen Werke Opfer der Bücherverbrennung vom 10. 5. 33 wurden; Brecht hatte gleich nach dem Reichstagsbrand am 28. 2. 33 Deutschland verlassen. In der Exilzeit (Schweiz, Frankreich, Dänemark, UdSSR, Finnland, Schweden, USA) beschäftigten sich seine Dramen immer wieder mit dem Nationalsozialismus, den er einseitig als "Handlanger des Kapitals" und zu einfach als Faschismus sah; die rassistische Komponente verkannte Brecht: Presse- und Augenzeugenberichte lagen seiner realistischen Szenenfolge "Furcht und Elend des Dritten Reiches" (1935-38) zugrunde, die als gelungenstes dichterisches Porträt des nationalsozialistischen Alltags gelten kann. Die Stücke "Die Rundköpfe und die Spitzköpfe" (1932-35) und "Die Horatier und die Kuratier" (1934) sind ebenso gegen den Nationalsozialismus gerichtet wie "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui" (1941), der Hitlers Machtergreifung als Gangsterkarriere vorführt. Das Drama "Die Gewehre der Frau Carrar" (1937) zeigt am Beispiel des Spanischen Bürgerkriegs, dass es im Kampf gegen den Faschismus keine Neutralität gibt. Brechts Drehbuch zum Hollywood-Film "Hangmen also die" (1943) behandelt das Attentat auf Heydrich. Weitere Auseinandersetzungen mit dem Nationalsozialismus und seinem Krieg sind die "Svendborger Gedichte" (1939), die "Flüchtlingsgespräche" (1940/41) und "Schweyk im zweiten Weltkrieg" (1941-44). Brecht ging 1947, in den USA wegen "unamerikanischer Umtriebe" verfolgt, nach Deutschland zurück und baute in Ost-Berlin das "Berliner Ensemble" auf. Sein Weltruhm sicherte ihm im SED-Staat einigen künstlerischen Freiraum.