Bildhauerkunst

    Aus Lexikon Drittes Reich

    für die Kulturpolitik des Dritten Reichs als öffentliche, massenbeeinflussende Kunst in ähnlichem Sinne wichtiges (Selbst-)Darstellungsmittel wie die Architektur. Als Monumentalplastik (z. T. zusammen mit Architektur) von ebenso einschüchternder Wirkung, sollte die Bildhauerkunst "Sinnbilder einer durch ein gemeinsames Ideal verbundenen Gemeinschaft" schaffen. Gebäudefronten und Plätze wurden mit größeren Skulpturen, Dienst- wie Versammlungsräume mit Reliefs und Porträtplastiken ausgestattet. Stärker als in anderen Künsten konnten die Nationalsozialisten in der Bildhauerkunst bruchlos an bestehende Stilrichtungen anknüpfen, da die Plastik traditionell Herrschaftskunst war, zu groß und zu teuer für den Privatbesitz und als Form öffentlicher Kunst (Denkmale) meist figürlich, also der Masse verständlich. So konnten nach 1933 international anerkannte Bildhauer wie Kolbe oder Klimsch ein realistisches Menschenbild mit staatlicher Förderung schöpfen, das mit der in der nationalsozialistischen Ästhetik vorherrschenden Orientierung an der klassischen Antike in Einklang stand: "Griechentum" galt in der Bildhauerkunst nicht als "unerreichbares Vorbild", sondern als "lebendige Wirklichkeit". Bildhauer jedoch, die sich mit ihren Werken von der strengen Formgebundenheit lösten, erhielten als "Formzerstörer" und "Kunstbolschewisten" Arbeitsverbot.


    So dominierte insgesamt die figürliche Plastik mit einem typisierten deutschen Menschen als Hauptmotiv: Soldaten, Bauern, Heroen als Leitbilder und "Rasseideale"; Aktplastiken, die "Die Wehrmacht" oder "Jung-Deutschland" personifizierten, häufig mit Fackel, Fahne und Schwert. Besonders populär waren die muskelbepackten Athletenakte von Breker und Thorak, herrische Männergestalten, die Stolz und Stärke des "neuen Deutschlands" zu verkörpern hatten. Die Frauenfiguren dagegen waren durch "Anmut und Hingabe" geprägt, auf eine tradierte Rolle als Gebärerin festgelegt. Die idealisierte Aktdarstellung unter Vermeidung individueller Züge sollte die Zeitlosigkeit des nationalsozialistischen Staats und seiner Institutionen betonen. Nicht zuletzt deshalb finden sich kaum figürliche Ganzdarstellungen zeitgenössischer Persönlichkeiten, um so mehr waren Politiker des Dritten Reichs Gegenstand der Porträtplastik; Führerbüsten entstanden in riesigen Stückzahlen, als weihevoller Schmuck für öffentliche Räume häufig durch überdimensionierte Proportionen "imperiale Größe" suggerierend.