Bolschewismus

    Aus Lexikon Drittes Reich

    (russisch Bolschewiki = Mehrheitler), von Lenin 1903 nach einem Abstimmungssieg über die "Menschewiki" (Minderheitler) eingeführte Fraktionsbezeichnung in der russischen Sozialdemokratischen Partei; im sowjetischen Sprachgebrauch bis zu Stalins Tod (1953) als Oberbegriff für Theorie und Praxis des Sowjetkommunismus benutzt. In Hitlers Weltanschauung erschien der Bolschewismus als eine der Masken des Weltjudentums, dessen "Verneinung jeder Ordnung und Kultur" im Bolschewismus wiederkehre und das über die bolschewistische Weltrevolution die angestrebte Weltherrschaft erreichen wolle.

    Die nach der sowjetischen Oktoberrevolution besonders in Deutschland umgehende Bolschewismusfurcht war durch Spartakusaufstand, Münchener Räterepublik und kommunistische Erhebungen in Sachsen, Hamburg u. a. geschürt worden, hatte sich im Mord an Rathenau wegen dessen "Paktieren mit dem Bolschewismus" in Rapallo entladen und beherrschte auch die außenpolitische Debatte. Die nationalsozialistische Agitation operierte damit innenpolitisch gegen die marxistischen Parteien KPD und SPD, die nationalsozialistische Außenpolitik instrumentalisierte diese Furcht später den Westmächten gegenüber, denen sich Hitler als Bollwerk gegen den Bolschewismus empfahl. Der Einsatz des Feindbilds, das für die Nationalsozialisten nur die wirkungsvolle Verlängerung des Antisemitismus war, zahlte sich in beiden Richtungen aus. Die bürgerlichen Kräfte honorierten ihn bei der Machtergreifung, das westliche Ausland, insbesondere der Vatikan (Konkordat) und Großbritannien, kam Hitler für die erhofften antibolschewistischen Dienste weit entgegen.


    Auch für den Zusammenhalt des faschistischen Lagers nutzte die nationalsozialistische Außenpolitik den gefürchteten Gegner im Antikominternpakt. Damit war der Anti-Bolschewismus eine der wenigen außenpolitischen Konstanten, mit denen Hitlers Partner und Kontrahenten rechnen zu können meinten. Dass er jedoch aus taktischen Gründen selbst so fundamentale Positionen zeitweilig zu räumen bereit war, bewies der Deutsch-Sowjetische Nichtangriffsvertrag vom 23. 8. 39. Der Russlandfeldzug wurde dann wieder, auch mit Blick auf die Verbündeten und Westeuropa, als "Kreuzzug gegen den Bolschewismus" geführt, wobei Weltanschauungs- und "Rassenkampf" mit der immer angestrebten Gewinnung von Lebensraum zusammenfielen.