Brauchtum und Sitte

    Aus Lexikon Drittes Reich

    viel verwendete Propagandaformel (im Volksmund spöttisch "Brausi" abgekürzt); Bezeichnung für "Äußerungsformen volkhaften Gemeinschaftslebens", die sowohl von einem ganzen Volk, einer Rasse getragen werden könnten, als auch von einzelnen Gruppen, Berufen, Landschaften, Zeiten. Die Betonung von Brauchtum und Sitte diente der Legitimierung der nationalsozialistischen Herrschaft: Institutionen und Hierarchien wurden als Fortführung gewachsener nationaler Traditionen dargestellt; die Wiederbelebung alter germanischer Bräuche (Sonnwendfeiern u. a.) und die kultische Überhöhung offizieller Rituale und Feiern zu neuem Brauchtum sollten den völkischen Gemeinschaftscharakter des Systems zum Ausdruck bringen.