Buchenwald

    Aus Lexikon Drittes Reich

    nationalsozialistisches KZ, errichtet im Sommer 37 im Waldgelände des Etterbergs in der Nähe von Weimar. Im November 39 betrug die Belegungsstärke etwa 12 600 Häftlinge, unter ihnen rund 2 400 Juden. Kurz vor Kriegsende befanden sich zeitweise bis zu 47 000 Menschen in Buchenwald, die aber zum großen Teil wieder in andere Lager weitergeschleust wurden. Bei der Befreiung fanden die Amerikaner noch 21 000 Überlebende vor. Die Häftlinge arbeiteten für die Deutschen Ausrüstungswerke (DAW) in handwerklichen Betrieben (Schlosserei, Tischlerei u. a.), in der zum Lager gehörenden ausgedehnten Gärtnerei, in Viehstallungen verschiedener Art (u. a. Reitstall und Reitbahn sowie Reithalle) und in einem nahe gelegenen Steinbruch. Das Lager hatte etwa 130 Außenkommandos bzw. Nebenlager, die z. T. weit vom Hauptlager entfernt waren.

    Die Unterbringungs-, Verpflegungs- und sanitären Verhältnisse in Buchenwald waren schlecht. Unter den Häftlingen gab es zahlreiche Opfer infolge Hunger, Krankheit (Ruhrepidemien), Erschöpfung, Misshandlungen, Erhängungen, Folter (Baum- bzw. Pfahlbinden u. a.), Erschießungen, z. T. angeblich auf der Flucht, und medizinischer Versuche (z. B. Fleckfieber-Experimente). In einer Genickschussanlage ("Pferdestall") wurden von 1941 an mehrere tausend russische Kriegsgefangene auf Befehl des Reichssicherheitshauptamts (RSHA) unter Vorspiegelung medizinischer Versuche heimtückisch ermordet. Erschießungen wurden auch im Krematorium durchgeführt (u. a. Thälmann). Im Rahmen der Aktion 14f13 (Invaliden-Aktion) kamen kranke Häftlinge in die Tötungsanstalten der Euthanasie-Aktion. Im Arrestbau des Lagers wurden zahlreiche Häftlinge durch den Lagerarzt Ding-Schuler auf Anordnung des Kommandanten Koch mittels Evipan- oder Phenolspritzen getötet. Aus tätowierter Menschenhaut wurden in Buchenwald Schaupräparate oder Gebrauchsgegenstände für SS-Angehörige (Lampenschirme, Etuis etc.) gefertigt.

    Wegen der im Lager herrschenden Korruption (Unterschlagung von Häftlingseigentum u. a.) in Verbindung mit Häftlingstötungen wurde der Lagerkommandant Karl Koch im April 45 von einem SS- und Polizeigericht zum Tod verurteilt und im Lager durch Erschießen hingerichtet. Seine wegen gewerbsmäßiger Hehlerei mitangeklagte Ehefrau Ilse Koch ("Hexe von Buchenwald") wurde mangels Beweises freigesprochen. Der Nachfolger Kochs, Hermann Pister, wurde von einem französischen Militärgericht zum Tod verurteilt und starb in der Haft.