Bulgarien

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Königreich in Südosteuropa mit 103 000 km² und 6,1 Millionen Einwohnern (1934). Bulgarien konnte im Ersten Weltkrieg auf Seiten der Mittelmächte (seit 1915) vorübergehend seine territorialen Ziele in Rumänien und Serbien erreichen, wurde aber im Frieden von Neuilly (dem bulgarischen "Versailles") 1919 auf die Grenzen von 1913 zurückverwiesen und mit hohen Reparationsauflagen belastet. Die Folge war wirtschaftliche und politische Instabilität, die in den 20er Jahren zu Unruhen führte wie u. a. dem kommunistischen Aufstand unter Dimitrow 1923. 1934/35 errichtete Zar Boris III. eine vom Militär getragene "Königsdiktatur" und lehnte sich aus nationalem Kalkül verstärkt an die Achsenmächte an. 1940 erwirkte Bulgarien mit deutscher Hilfe die Rückgabe der Süd-Dobrutscha von Rumänien und trat im März 41 dem Dreimächtepakt bei.

    Für den Balkanfeldzug erhielten die deutschen Truppen Aufmarscherlaubnis in Bulgarien (April/Mai 41). Der Sieg über Jugoslawien und Griechenland brachte Bulgarien über seine 1918 verlorenen Gebiete hinaus das ganze jugoslawische Makedonien und mit dem griechischen Teil Thrakiens einen Zugang zur Ägäis. Boris III. trat Ende 41 auf deutscher Seite in den Krieg gegen England und die USA ein, verweigerte aber die Beteiligung am Russlandfeldzug: "Mein Volk fühlt russisch und denkt deutsch." Auch deutschen Wünschen nach Deportation der ca. 50 000 bulgarischen Juden in die Vernichtungslager widersetzte sich das bulgarische Parlament am 17. 3. 43 einstimmig.


    Die Neutralität gegenüber der Sowjetunion bewahrte Bulgarien im Herbst 44 nicht vor der Besetzung durch die Rote Armee. Nach einem Putsch der "Vaterländischen Front", in der auf sowjetischen Druck alsbald die Kommunisten die Oberhand gewannen, trat Bulgarien in den Krieg gegen Deutschland ein (28. 10. 44). Die Gebietserwerbungen von 1940/41 musste es 1945 allerdings bis auf die Süd-Dobrutscha wieder herausgeben.