Bund Deutscher Mädel

    Aus Lexikon Drittes Reich

    (BDM), Teilorganisation der Hitlerjugend (HJ), untergliedert in Jungmädelbund (zehn- bis 13-Jährige) und Bund Deutscher Mädel (14- bis 17-Jährige, seit 1938 darüber hinaus Sondereinheiten für die 17- bis 21-Jährigen, u. a. Glaube und Schönheit). Als Vorläufer des BDM gelten die schon seit den 20er Jahren vereinzelt bestehenden nationalsozialistisch orientierten Mädchengruppen, die im Dezember 28 als "Schwesternschaften" in die HJ aufgenommen wurden. Im Juni 30 gab der "Völkische Beobachter" ihre Umbenennung in "BDM in der HJ" bekannt. Obwohl die offiziöse Geschichtsschreibung behauptet, von diesem Zeitpunkt an habe sich der BDM kontinuierlich entwickelt, lassen sich zwischen 1930 und 33 zahlreiche parteiinterne Kämpfe um Führung und inhaltliche Ausrichtung der Mädchenorganisation feststellen. Erst eine Verfügung Strassers vom Juli 32 beendete die Konflikte und wies alle nationalsozialistischen Mädchengruppen dem BDM zu. Mit dieser Erklärung zur einzigen parteiamtlichen Mädchenorganisation begann seine selbständige Jugendarbeit.


    Aufgrund organisatorischer und inhaltlicher Probleme, die der Bund bis 1933 nicht beseitigen konnte, wurde bis zum "Gesetz über die Hitlerjugend" (1936) offiziell kein Zwang ausgeübt, dem BDM beizutreten. Dennoch nahm die Mitgliederzahl stetig zu, aus unterschiedlichen Gründen: Ein Teil der Mitglieder wurde einfach aus gleichgeschalteten Verbänden übernommen, andere Mädchen traten dem Bund bei, weil es ihren Eltern opportun erschien. Es gab aber auch freiwillige Anmeldungen; gerade in bürgerlichen Kreisen akzeptierten viele Mädchen den BDM als Möglichkeit, sich den starren Konventionen ihres Elternhauses zu entziehen.

    Organisatorisch blieb der BDM Teil der HJ und hatte auch eine weitgehend parallele Gliederung. Kleinste Einheit war die (Jung-)Mädelschaft (ca. zehn Mädchen), zehn Mädelschaften bildeten eine Schar, vier Scharen eine Gruppe, drei bis fünf Gruppen einen Ring, vier bis sechs Ringe einen Untergau. 20 Untergaue wurden zu einem Obergau zusammengefasst. Auf der oberen Ebene vertraten Referentinnen die Interessen des Bunds bei der Reichsjugendführung und ihren Ämtern. Die BDM-Reichsreferentin hatte weitgehende Vollmachten und leitete die Arbeit des BDM nahezu eigenverantwortlich.

    Ziel der Erziehungsarbeit im BDM war es, die weibliche Jugend von klein auf zu Trägerinnen der nationalsozialistischen Ideen zu formen. Dabei kam es nicht darauf an, sie durch Argumente für die nationalsozialistische Weltanschauung zu gewinnen, man wollte bedingungslos gläubige Anhängerinnen. Gehorsam, Pflichterfüllung, Disziplin, Opferbereitschaft und Körperbeherrschung galten als die Tugenden, die jedes BDM-Mädel zu haben hatte. Gleichgültig welche Aufgabe ihr später einmal zugewiesen würde, die zukünftige Frau musste lernen, ihre Pflichten im Rahmen der Volksgemeinschaft kritiklos und freudig zu übernehmen und zu erfüllen. Um dieses Ziel zu erreichen, sollten zwei Drittel der Erziehungsarbeit dem Sport gewidmet sein, ein Drittel der weltanschaulichen Schulung.

    Wegen der organisatorischen Schwierigkeiten der Anfangsphase, aber durchaus im Einklang mit der Ideologie, die dem Körper einen höheren Wert zumaß als dem Geist, baute die BDM-Führung zuerst ein Sportprogramm auf. Der Sport diente zum einen der Disziplinierung, zum anderen der körperlichen Ertüchtigung. Nur Mädchen, die an Disziplin gewöhnt waren, würden sich zum Befehlsempfänger eignen, nur gesunde, kraftvolle Frauen würden ihren Pflichten nachkommen können und das angestrebte rassische Ideal verkörpern. Bis 1939 war die Hauptaufgabe des Mädchens eindeutig definiert: Mutter von erbgesunden Kindern zu werden und sie zu Nationalsozialisten zu erziehen. Der Schwerpunkt der weltanschaulichen Schulung lag daher in der Vermittlung des völkischen kulturellen Erbes und von 1936 an in der hauswirtschaftlichen Ertüchtigung.


    Mit der Wiedereinführung der Allgemeinen Wehrpflicht (1935) erweiterten sich zwar die Aufgaben des BDM, und auch die Verknappung der Arbeitskräfte seit 1936 brachte neue Anforderungen, weil Berufsanfängerinnen verstärkt in rüstungswichtige Branchen gelenkt werden mussten, aber das zentrale Anliegen des BDM blieb nach wie vor die Erziehung der Mädchen zur Hausfrau und Mutter. Erst mit Beginn des Krieges erfolgte eine Umorientierung: Der BDM ging gut vorbereitet in den Krieg und es gelang ihm schnell, den gesamten Dienstbetrieb auf die neue politische und militärische Situation umzustellen. Je länger der Krieg dauerte, desto stärker entwickelte sich der BDM zur Kriegshilfsorganisation; die eigentliche Jugendarbeit trat mehr und mehr in den Hintergrund. Als Folge dieser Entwicklung häuften sich Disziplinschwierigkeiten innerhalb des Bundes, der Dienst wurde vielfach als langweilig empfunden und abgelehnt. Auch wenn nur wenige Mädchen bewusst Widerstand leisteten, so entfernten sich doch viele innerlich immer weiter von der Jugendorganisation.