Carl Friedrich Goerdeler

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Widerstandskämpfer und Politiker

    geboren: 31. Juli 1884 in Schneidemühl gestorben: 2. Februar 1945 in Berlin


    Jurastudium, Verwaltungsfachmann, nach dem Ersten Weltkrieg zur DNVP, 1920-30 Zweiter Bürgermeister in Königsberg. Goerdeler stand der Republik skeptisch gegenüber und war aus kriegswirtschaftlichen Erfahrungen heraus überzeugter Vertreter des Wirtschaftsliberalismus. Damit hatte er als Leipziger Oberbürgermeister (ab 1930) Erfolge bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und wurde von Brüning im Dezember 31 zum Reichskommissar für die Preisüberwachung ernannt. Seine Hoffnungen auf die Kanzlerschaft in der Nachfolge Brünings erfüllten sich allerdings nicht. Goerdeler blieb auch nach der Machtergreifung im Oberbürgermeisteramt und fungierte seit dem 5. 11. 34 erneut als Preiskommissar. Trotz national-konservativer Grundauffassung und trotz Mitarbeit an der nach nationalsozialistischen Gesichtspunkten umgestalteten Deutschen Gemeindeordnung vom 30. 1. 35 geriet Goerdeler bald in Konflikte mit der Partei wegen der Liquidierung des Rechtsstaats und v. a. auch wegen Hitlers Rassen- und Kirchenpolitik. Am 1. 7. 35 trat er als Preiskommissar unter Protest zurück, am 1. 4. 37 räumte er, kurz zuvor wiedergewählt, seinen Leipziger Posten, als die Partei das Denkmal des jüdischen Komponisten Mendelssohn-Bartholdy entfernen ließ. Goerdeler wurde Berater des Bosch-Konzerns, was ihm ausgedehnte Auslandsreisen ermöglichte.

    Seit 1935 stand Goerdeler in Korrespondenz mit Generalstabschef Beck, dessen Entwicklung zum Widerstandskämpfer mit der seinen parallel lief. Nach Kriegsausbruch wurde Goerdeler mehr und mehr zum politischen Kopf des bürgerlichen Widerstands und entwickelte in zahlreichen Denkschriften Modelle für ein Deutschland nach Hitler. Erstaunlich dabei war, wie lange er an die Rettung eines Großdeutschlands (mit Sudetenland, Posen, Österreich und sogar Südtirol) glaubte und auch innenpolitisch die Uhr zurückzudrehen versuchte. Ihm schwebte ein starker, z. T. ständisch gegliederter halbdemokratischer Staat vor, getragen von den alten Eliten, mit eventuell monarchischen Zügen. Die Westmächte hoffte er nach einer Verdrängung Hitlers etwa durch einen Staatsstreich der Wehrmacht - einen Mord lehnte er ab - für ein Zusammengehen gegen den Bolschewismus gewinnen zu können; er war daher von der Forderung nach Bedingungsloser Kapitulation tief betroffen. Goerdeler, für die Zeit nach einem geglückten Putsch als Reichskanzler vorgesehen, geriet mit seinen Plänen in Konflikt zum Kreisauer Kreis wie zu den Sozialdemokraten um Leber. Auch die jungen Kämpfer um Stauffenberg sahen in ihm schließlich nur eine Übergangsfigur. Die Gestapo war ihm schon vor dem Attentat vom Zwanzigsten Juli 44, dessen Scheitern er als "Gottesurteil" empfand, auf der Spur, konnte ihn aber erst am 12. 8. 44 nach Denunziation verhaften (die Denunziantin bekam von Hitler eine Million RM). Am 8. 9. 44 verurteilte ihn der Volksgerichtshof zum Tod. Die Vollstreckung blieb in der Hoffnung auf weitere Informationen zunächst ausgesetzt und wurde erst fünf Monate später durch Enthauptung, auf Befehl Hitlers mit dem Handbeil, vollzogen.