Charles de Gaulle

    Aus Lexikon Drittes Reich

    französischer General und Politiker

    geboren: 22. November 1890 in Lille gestorben: 9. November 1970 in Colombey-les-deux-Eglises


    Kriegsschule Saint Cyr, im Ersten Weltkrieg Offizier, 1920/21 auf polnischer Seite Berater im polnisch-russischen Krieg, 1922-24 Generalstabsausbildung, 1932-37 Generalsekretär des Nationalen Verteidigungsrats, 1940 Brigadegeneral. De Gaulle hatte anders als die siegreichen Feldherrn des Ersten Weltkriegs, die an ihrem überlebten Erfolgskonzept klebten, früh die Bedeutung von Panzer- und Luftwaffe für einen künftigen Krieg erkannt und forderte hartnäckig, aber erfolglos den Ausbau der französischen Streitkräfte in dieser Richtung. Er wurde schließlich 1938 zum Garnisonsdienst in Metz abgeschoben. Sein Buch über den kommenden motorisierten Krieg "Vers l'armée de métier" (Auf dem Weg zur Berufsarmee, 1934) fand in Deutschland unter dem Titel "Frankreichs Stoßarmee" (1935) mehr Aufmerksamkeit als bei den französischen Verteidigungspolitikern.

    Bei Beginn des deutschen Angriffs im Westen (Frankreichfeldzug) war de Gaulle Kommandeur der 4. Panzerdivision. Erst als sich seine Voraussagen über den deutschen Panzervormarsch als schreckliche Realität erwiesen, ließ man ihn am 17. 5., als es längst zu spät war, einen geballten Stoß gegen Guderians weitgedehnte Flanke führen. Es wurde der einzige Teilerfolg der Franzosen, der mangels Unterstützung zwar bald wieder verloren war, aber am 6. 6. zur Berufung de Gaulles zum Unterstaatssekretär im Kriegsministerium der nach Bordeaux geflohenen Regierung Reynaud führte. Als sich dort die Stimmen für ein Waffenstillstandsgesuch häuften, brachte de Gaulle seine Familie nach England in Sicherheit und folgte befehlswidrig am 17. 6. Am Tag darauf erging sein historischer Rundfunkappell an alle Franzosen, den Widerstand auch nach der Niederlage fortzusetzen. Die Vichy-Regierung ließ ihn im Juli 40 zum Tod verurteilen. Aus dem Exil wurde de Gaulle zur Seele der Résistance, konnte Rivalen wie Darlan und Giraud überspielen, wurde Chef des Französischen Komitees der Nationalen Befreiung und im Juni 43 Chef der Londoner Exilregierung, aus der im Mai 44 die Provisorische Regierung der Französischen Republik hervorging. Am 25. 8. 44 zog er ins befreite Paris ein, wurde als Ministerpräsident bestätigt und zum provisorischen Staatsoberhaupt gewählt. Als neuer Parteienstreit sein Einigungswerk zu gefährden drohte, zog sich de Gaulle 1947 aus der Politik zurück. 1958 nach dem Militärputsch vom 13. 5. in Algier wurde de Gaulle zurückgerufen und meisterte die Krise durch Verfassungsumbau (Präsidialsystem). Als 1. Präsident "seiner" 5. Republik beendete er den Algerien-Konflikt, führte Frankreich aus der NATO und legte zusammen mit Adenauer die Grundlage zur dauerhaften deutsch-französischen Aussöhnung (Freundschaftsvertrag vom 20. 1. 63). Nach Scheitern in einem Referendum über geplante Gebiets- und Regierungsreformen trat er am 28. 4. 69 zurück.