Claus Graf Schenk von Stauffenberg

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher Widerstandskämpfer

    geboren: 15. November 1907 auf Schloss Jettingen, Schwaben gestorben: 20. Juli 1944 in Berlin


    als Jugendlicher beeinflusst vom elitär-konservativen Kreis um den Dichter S. George, 1926 Eintritt in das Bamberger Reiterregiment 17, 1936 Lehrer an der Kriegsakademie in Berlin, 1938 Berufung in den Stab der Panzerdivision Hoepners, mit dieser 1939 Teilnahme am Polenfeldzug und 1940 am Frankreichfeldzug. Stauffenberg war anfangs fasziniert vom Nationalsozialismus und organisierte am Tag der Machtergreifung (30. 1. 33) in Bamberg eine Jubeldemonstration. Spätestens jedoch seit der Kristallnacht vom 9./10. 11. 38 betrachtete er Hitlers Kurs mit tiefem Misstrauen und wachsendem Abscheu. Dass die Judenverfolgung in Deutschland nur ein harmloser Auftakt zu weit Entsetzlicherem war, erkannte Stauffenberg im Russlandfeldzug, als er mit dem Smolensker Komitee bei der Aufstellung von russischen Freiwilligenverbänden zusammenarbeitete und Hitlers Einschätzung der "jüdischen und slawischen Untermenschen" kennen lernte.

    Im Februar 43 als Oberstleutnant in den Stab der 10. Panzerdivision nach Afrika versetzt, wurde Stauffenberg am 7. 4. schwer verwundet, verlor ein Auge, eine Hand und zwei Finger der anderen. In der langen Genesungszeit reifte sein Entschluss zur Beseitigung Hitlers, ohne die ihm jeder Umsturzversuch hoffnungslos erschien. Stauffenberg wurde am 1. 10. 43 Chef des Stabs beim Allgemeinen Heeresamt unter Olbricht und erreichte in relativ kurzer Zeit durch mitreißende Energie die Bündelung der divergierenden Gruppen des Widerstands. Seine konservative Grundhaltung machte ihn dem Kreis um Goerdeler akzeptabel, seine soziale Aufgeschlossenheit empfahl ihn den Sozialdemokraten Leuschners, seine persönliche Tapferkeit prädestinierte ihn zur Ausführung des Attentats. Die Gelegenheit dazu bot sich nach dem 1. 7. 44, als Stauffenberg Oberst und Stabschef des Befehlshabers des Ersatzheers Fromm geworden war und Zutritt zu den Lagebesprechungen im Führerhauptquartier hatte. Nach zwei misslungenen Versuchen brachte Stauffenberg am Zwanzigsten Juli 44 eine Zeitzünderbombe in einer Aktentasche in die Lagebaracke der "Wolfsschanze" bei Rastenburg (Ostpreußen), verließ vor der Detonation den Raum und flog in der Überzeugung vom Tod Hitlers nach Berlin. Wider die Absprache aber war dort das Stichwort "Walküre" mit erheblicher Verspätung ausgelöst worden, so dass die Nachricht vom Überleben Hitlers zum Zusammenbruch des Staatsstreichs führte. Stauffenberg wurde von Fromm verhaftet und zusammen mit Olbricht und weiteren Mitverschwörern standrechtlich erschossen.