Clemens August Graf von Galen

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher katholischer Theologe

    geboren: 16. März 1878 in Dinklage gestorben: 22. März 1946 in Münster


    Schulzeit bei Jesuiten, 1904 Priesterweihe, 1906-29 als Kaplan und Pfarrer in Berlin-Schöneberg (St. Matthias), 1929 nach Münster (St. Lamberti) versetzt und im September 33 zum dortigen Bischof ernannt. Als einer der ersten leistete Galen vor Vertretern des nationalsozialistischen Staats einen "Treueid", der ihm mit Hoffnung auf die mäßigende Wirkung des Konkordats und als ohnehin national gesinntem Konservativen nicht schwer fiel. Als einer der ersten Kirchenfürsten aber auch warnte er schon Anfang 34 vor dem nationalsozialistischem Rassismus und bekämpfte mit den "Studien zum Mythus des 20. Jahrhunderts" (1934) Rosenbergs Neuheidentum. Nach seinem Wahlspruch "Nec laudibus nec timore" (sinngemäß: "Nicht zu ködern und nicht einzuschüchtern") wandte sich Galen gegen "einen Gehorsam, der die Seelen knechtet" (6. 9. 36) und sorgte für die Verbreitung der Enzyklika "Mit brennender Sorge" (14. 3. 37). Seinen Ruf als "Löwe von Münster" aber erwarb sich Galen durch unerschrockenen und erfolgreichen Protest gegen die Euthanasie in drei Predigten vom Sommer 41 (13. 7., 20. 7. und 3. 8.), die der SD als "wohl bisher stärksten Angriff gegen die Staatsführung" bezeichnete. Verhaftung und Todesurteil entging der populäre Galen nur wegen Hitlers Sorge um die Kampfmoral der katholischen Soldaten. Nach dem Krieg zum Kardinal (Weihnachten 45) ernannt, zeigte sich Galen ebenso unerschrocken der britischen Besatzungsmacht gegenüber, die er zu Milde und Gerechtigkeit mahnte.