Dachau

    Aus Lexikon Drittes Reich

    erstes nationalsozialistisches KZ; eröffnet am 22. 3. 33 am Ortsrand der oberbayerischen Stadt Dachau (1933: 8240 Einwohner) in einer ehemaligen Pulver- und Munitionsfabrik; Fassungsvermögen zunächst 5 000 Häftlinge (1943: rund 17 000). Anfangs zur Kaltstellung politischer "Schutzhäftlinge" gedacht, fasste das KZ bald alle dem Regime missliebigen Gruppen zusammen: "Politische", oppositionelle Geistliche, Juden, "Zigeuner", Behinderte, Homosexuelle, Kriminelle. Der gewünschte Nebeneffekt: Gegenseitige Diskriminierung und Bespitzelung wurden gefördert, Gruppenbildungen erschwert.

    In den Kriegsjahren spiegelte die Nationalität der "Neueingänge" die deutschen militärischen Erfolge wider. Das KZ Dachau wurde zu einem weit verzweigten Apparat mit 125 Außenstellen, der die süddeutsche Rüstungsindustrie mit Arbeitskräften belieferte; es war in weitem Umkreis von SS-Siedlungen umgeben und konnte bei aller Abgeschiedenheit jederzeit auf die Infrastruktur der nahe gelegenen Großstadt München zurückgreifen.

    Am 1. 10. 33 hatte Lagerkommandant Eicke Dienst- und Strafbestimmungen erlassen, die ebenso wie der Aufbau der Anlage von anderen KZ übernommen wurden. Das "Musterlager" Dachau diente auch als Ausbildungsstätte: Die angehenden Lagerkommandanten mussten hier auf Anordnung Heydrichs einen Sonderkurs absolvieren, die SS-Totenkopf-Verbände hatten hier ihren Ursprung. Auch Eichmann ging in Dachau in die "Schule der Gewalt".

    Dachau war nicht als Vernichtungslager geplant, aber Häftlinge wurden "auf der Flucht erschossen", starben an Hunger, Krankheit und Überlastung ("Vernichtung durch Arbeit"), unter der Folter und als Opfer pseudowissenschaftlicher Versuche, so der Unterdruck- und Unterkühlungsexperimente von Dr. Rascher, der mit seinen Erkenntnissen den mangelhaft eingekleideten Soldaten an der Ostfront oder über See abgestürzten Fliegern zu nutzen gedachte.

    Nach Beschluss der Endlösung wurde 1942 ein Krematorium einschließlich Gaskammern gebaut, deren Inbetriebnahme aber nicht nachzuweisen ist. 3 225 invalide oder geistig behinderte Häftlinge wurden aber bis November 44 in die Euthanasieanstalt Schloss Hartheim (bei Linz) verbracht und dort vergast. Am Tag der Befreiung (29. 4. 45) fanden die Amerikaner in Dachau 30 000 Überlebende in den Baracken. Bis zu diesem Zeitpunkt waren 206 000 registrierte Häftlinge durch das Lager gegangen, 31 951 Todesfälle sind beurkundet. Die Gedenkstätte Dachau (Katholische Kapelle der Todesangst Christi, Evangelische Versöhnungskapelle, Israelitische Gedenkstätte) wurde am 9. 5. 65 eröffnet.