Deutsch-Britisches Flottenabkommen

    Aus Lexikon Drittes Reich

    Vertrag zwischen Großbritannien und dem Deutschen Reich über die Seerüstung vom 18. 6. 35; als Idee mit der Formel "35:100" (Verhältnis der deutschen zur britischen Tonnage) von Hitler erstmals Ende 1934 ins diplomatische Spiel gebracht. Hitler hatte dabei drei Ziele: 1. die deutsche Aufrüstung zur See international sanktionieren zu lassen, 2. durch zweiseitigen Vertrag mit England das kollektive Sicherheitssystem von Versailles aufzubrechen, 3. einen ersten Schritt in Richtung auf die Vision aus "Mein Kampf" zu wagen, die England die Meere und dem Reich freie Hand im Osten zuwies. Hitler betrachtete die Wilhelminische Flottenpolitik als unnötige Herausforderung Englands: Er wollte sein Kolonialreich vor der Haustür errichten. Zum Entsetzen Frankreichs kamen aus London Verständigungstöne: Es gebe keine ewigen Feinde, nur ewige Interessen; und wenn es schon ein Begräbnis (des Versailler Diktats) geben müsse, dann tunlichst, solange Hitler geneigt sei, "die Dienste der Leichenbestatter zu honorieren".

    Am 24. 3. 35 empfing Hitler Lordsiegelbewahrer Eden und den britischen Außenminister Simon, die ein Agreement mit Deutschland schon wegen der japanischen Gefahr suchten. Am 4. 6. begannen dann in London die Verhandlungen, geführt von Hitlers Sonderbotschafter Ribbentrop und Simon. Außer auf das Verhältnis 35:100 über Wasser einigte man sich auf grundsätzliche Parität bei den U-Booten unter Verzicht auf einen uneingeschränkten U-Boot-Krieg. Ausgerechnet am Jahrestag von Waterloo (18. 6.) erfolgte die Vertragsunterzeichnung; Paris war zusätzlich brüskiert. Vier Jahre später (28. 4. 39), nach der britischen Garantieerklärung für Polen, kündigte Hitler den Vertrag.