Deutsche Arbeitsfront

    Aus Lexikon Drittes Reich

    (DAF), nach Zerschlagung der Gewerkschaften durch Einberufung eines Gründungskongresses am 10. 5. 33 gebildete Organisation, die anstelle der Gewerkschaften die Interessen der Arbeiter wahrnehmen sollte, und zwar durch "Bildung einer wirklichen Volks- und Leistungsgemeinschaft, die dem Klassenkampfgedanken abgeschworen hat". Der erste vorläufige Organisationsplan knüpfte noch an den Aufbau der Gewerkschaften an und basierte zunächst auf dem 4-Säulen-Prinzip (Arbeiter, Angestellte, Unternehmer sowie gewerblicher und handwerklicher Mittelstand). Im November 33 wurde die relative Eigenständigkeit der einzelnen Gruppen aufgehoben und eine Einheitsmitgliedschaft aller "schaffenden Deutschen" verfügt. Anfang 1934 erfolgte eine erneute Umgestaltung in eine analog der NSDAP rein vertikal gegliederte, zentralistisch geformte Organisation. Es gab Gau-, Kreis- und Ortsgruppen und auf unterster Ebene Betriebs- und Straßenzellen. Die Entscheidungen fielen im Zentralbüro (Reichsleiter Ley) und den Fachämtern der DAF, z. B. Organisationsamt, Personalamt, Presse- und Propagandaamt u. a. Ende März 35 erhielt die DAF den Status eines der Partei angeschlossenen Verbands, wodurch ihre Eigenständigkeit eingeschränkt wurde.

    Die neue Großorganisation hätte eine machtvolle Vertretung der Interessen der Arbeiter werden können, zumal anfangs noch Vertreter der Nationalsozialistischen Betriebszellenorganisation (NSBO) mit ihren sozialrevolutionären Vorstellungen an führender Stelle saßen. Doch mit jeder Umgestaltung verlor die NSBO an Einfluss in der DAF. Das am 19. 4. 33 erlassene Gesetz über die Einsetzung staatlicher Treuhänder der Arbeit schränkte den Wirkungskreis der DAF wesentlich ein. Damit war die Aufhebung der Tarifautonomie der Arbeitnehmer und Arbeitgeber angebahnt. Sie wurde durch staatliche Zwangsregelung ersetzt. Die Arbeit der DAF beschränkte sich auf rein propagandistische Tätigkeiten. Durch das Arbeitsordnungsgesetz vom 20. 1. 34 wurde diese Tendenz bestätigt. Die DAF hatte in Tarif- und Arbeitsvertragsfragen nur noch beratende Funktion. Ihr blieb nur das Vorschlagsrecht für den Vertrauensrat, der jährlich von den Arbeitnehmern gewählt werden sollte, bei Ablehnung aber vom Treuhänder der Arbeit eingesetzt wurde. Insgesamt wies das Arbeitsordnungsgesetz der DAF eine unbedeutende Rolle in der Sozialverfassung des Dritten Reiches zu. Die Tätigkeit der Treuhänder der Arbeit wurde durch das Gesetz präzisiert und gefestigt. Es trieb außerdem den Abbau der Arbeitnehmerrechte und der Sozialpartnerschaft zugunsten eines Führer-Gefolgschaft-Verhältnisses voran. Die DAF entwickelte sich zu einer Großorganisation, die durch soziale und kulturelle Betreuung sowie fachliche Weiterbildung und durch soziale Befriedung der Arbeitnehmer die Ziele des Regimes unterstützte. Weiterhin fungierte sie als eine zusätzliche Kontrollinstanz des Regimes.

    Mit ihren Aktivitäten unterstützte die DAF die Idee der Volksgemeinschaft: Der Leistungswille der Jugend wurde mit dem Reichsberufswettkampf geweckt; das "Heimstättenamt 'Gehag'"(Gemeinnützige Heimstätten-Spar- und Bau AG) errichtete mustergültige Arbeitersiedlungen; jede Verbesserung der Arbeitsbedingungen (zuständiges Amt: "Schönheit der Arbeit") vom Unfallschutz am Hochofen bis zum Blumentopf auf dem Beamtenschreibtisch wurde gebührend herausgestellt; Werkpausenkonzerte vermittelten den Arbeitern das Gefühl, kein kulturelles Schattendasein zu führen. Die Leistungen der Freizeitorganisation Kraft durch Freude (KdF), die die Aufgabe hatte, "alle Vorrechte des Besitzes auf die Kulturgüter der Nation und die Schönheiten der Welt zu brechen", machten aus dem Luxusartikel Reise eine für fast jedermann erschwingliche Ware und das Projekt KdF-Wagen ( Volkswagen), mit Anleihen finanziert, rückte selbst die Anschaffung eines Autos in den Bereich des Möglichen. Auf den Massenveranstaltungen zum 1. Mai, dem Tag der nationalen Arbeit, stellte sich das Regime mithilfe der DAF als "volksgemeinschaftlicher Arbeiterstaat" dar. Diese suggestiven Massenveranstaltungen mit ihrem Pomp und Pathos hatten eine wichtige Funktion bei der Integration der Arbeiterschaft in den nationalsozialistischen Staat.

    Mit dem Vermögen der zerschlagenen Gewerkschaften wäre das alles nicht möglich gewesen. Die DAF finanzierte sich mit Zwangsbeiträgen, die automatisch vom Lohn (1,5 %) abgezogen wurden. Hinzu kamen wachsende Gewinne aus DAF-eigenen Wirtschaftsunternehmen und Beteiligungen: Bank der Deutschen Arbeit, Versicherungsring der Deutschen Arbeit, KdF-Wagen-Werk, Verlage u. a. Nominell war der Beitritt zur Organisation freiwillig, aber "erwünscht" (1942: 25 Millionen Mitglieder). Die DAF, größte Arbeiterorganisation der Welt (40 000 hauptamtliche Mitarbeiter), half wesentlich bei der Umstellung der Wirtschaft auf die Kriegsproduktion. Die DAF wurde am 10. 10. 45 durch das alliierte Kontrollratsgesetz Nr. 2 aufgelöst.