Deutsche Reichsbahn

    Aus Lexikon Drittes Reich

    (DR), aus der 1924 gegründeten Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft hervorgegangenes Transportunternehmen. Durch Gesetz vom 10. 2. 37 wurde die im Besitz des Deutschen Reichs bisher weitgehend selbständige Gesellschaft in unmittelbare Reichsverwaltung übernommen, ihre Dienststellen wurden Reichsbehörden. Aufsicht und Leitung unterstanden nun dem Reichsverkehrsministerium (RVM), seit 1937 Dorpmüller. Mit dem Anlagekapital von über 27 Milliarden RM war die Deutsche Reichsbahn das größte Unternehmen der deutschen Wirtschaft. Es spielte eine zentrale Rolle bei der Endlösung, in deren Dienst die Deutsche Reichsbahn seit Herbst 1941 über drei Millionen Menschen in die Vernichtungslager transportierte. Während sie auf Anforderung des RSHA für deutsche und westeuropäische Juden, um den Schein zu wahren, bei quälender Enge immerhin Personenwagen zur Verfügung stellte, erfolgte die Verfrachtung der osteuropäischen Opfer in oft kaum mehr verwendungsfähigen Güter- und Viehwagen. Gerichtliche Ahndung blieb nach dem Krieg aus: Dorpmüller starb schon 1945 und der vermutlich hauptverantwortliche Staatssekretär im RVM Albert Ganzenmüller floh 1947 nach Argentinien. Nach seiner Rückkehr 1954 liefen seit 1957 gerichtliche Voruntersuchungen. 1973 begann gegen Lanzenmüller ein Prozess wegen Beihilfe zum Mord und Freiheitsberaubung im Amt mit Todesfolge. Das Verfahren wurde 1977 wegen Verhandlungsunfähigkeit des Angeklagten eingestellt. 1985 in der Nürnberger Gedenkausstellung "150 Jahre Eisenbahn" wurde erstmals die Verstrickung der Bahn in die nationalsozialistischen Verbrechen eingestanden.