Dietrich Bonhoeffer

    Aus Lexikon Drittes Reich

    deutscher evangelischer Theologe

    geboren: 4. Februar 1906 in Breslau gestorben: 9. April 1945 im KZ Flossenbürg


    nach dem Studium 1927-29 Vikar in Barcelona, 1930 Hörer des Union Theological Seminary in New York, 1931 Studentenpfarrer in Berlin, 1933 Seelsorger deutscher Gemeinden in London, 1934 beratendes Mitglied des Ökumenischen Rats. Obwohl Bonhoeffer das Risiko christlichen Bekennens im nationalsozialistischen Deutschland kannte, folgte er einem Ruf zur Leitung des illegalen Predigerseminars der Bekennenden Kirche in Finkenwalde. 1936 erhielt er Lehr-, 1940 Rede- und 1941 Schreibverbot. Bonhoeffer, überzeugt von der Diesseitigkeit des Christentums, kritisierte die rein kirchliche Widerstandshaltung in christlichen Kreisen und suchte Anschluss an den politischen Widerstand, um Hitler "auszumerzen", den er als "Antichrist" bezeichnete. Über seinen Schwager Dohnányi fand er zum Abwehr-Kreis um Canaris, der ihm Deckung durch offizielle Auslandsaufträge gab. So traf Bonhoeffer im Mai 42 in Schweden mit Bischof Bell von Chichester zusammen und sondierte vergeblich Friedensmöglichkeiten nach einer Beseitigung Hitlers. Am 5. 4. 43 verhaftete die Gestapo Bonhoeffer unter dem Vorwurf des Amtsmissbrauchs zu kirchenpolitischen Zwecken. Erst nach dem gescheiterten Attentat vom 20. 7. 44 fand man Beweise für Bonhoeffers konspirative Tätigkeit. Aus dem Militärgefängnis Tegel wurde er über Gestapo-Haft und KZ Buchenwald nach Flossenbürg verlegt, wo er nach SS-Standgericht kurz vor Eintreffen von US-Truppen zusammen mit Oster und Canaris gehängt wurde. Seine Aufzeichnungen aus der Haft erschienen 1951 unter dem Titel "Widerstand und Ergebung".