Doppelstaat

    Aus Lexikon Drittes Reich

    von dem emigrierten Juristen Ernst Fraenkel (1898-1975) geprägte Bezeichnung für das nationalsozialistische Herrschaftssystem, wonach im Nationalsozialismus zwei Formen politischer Herrschaft bestanden: Um die Funktionsfähigkeit des Wirtschaftssystems zu erhalten, bewahrte der "Normenstaat" in den meisten Bereichen mit ökonomischem Bezug eine gewisse Vorhersehbarkeit des Staatshandelns durch die eingeschränkte Anwendung von Normen insbesondere des Zivil-, Wirtschafts-, Gewerbe- und Steuerrechts. Im Bereich der Herrschaftssicherung des Regimes und der Bekämpfung seiner politischen Gegner erkannte der Nationalsozialismus jedoch keine Bindung durch Normen an, sondern handelte nur nach Zweckmäßigkeit. Diesen Teil der Staatstätigkeit nannte Fraenkel "Maßnahmenstaat". Der durch das Nebeneinander beider gekennzeichnete Doppelstaat ist v. a. für die Anfangsphase des Nationalsozialismus bis etwa 1938 zutreffend (auch Behemoth).