Edelweißpiraten

    Aus Lexikon Drittes Reich

    von den Nationalsozialisten als "jugendliche Cliquen" verfolgte Widerstandsgruppen von jungen Arbeitern, Lehrlingen, Schülern, die sich vornehmlich im Rheinland zusammengefunden hatten, ohne feste organisatorische Fügung und ohne einheitliche Ideologie, die als gemeinsames Erkennungszeichen ein Edelweiß auf bzw. unter dem linken Rockaufschlag trugen oder eine edelweißfarbene Stecknadel.

    Nach 1933 kamen besonders in den Städten oppositionelle Jugendliche in "wilden Jugendgruppen" zusammen, führten illegal Formen und Inhalte der christlichen, sozialistischen und bündischen Jugendbewegung weiter oder betonten nur äußeren Nonkonformismus (lange Haare, Hören "undeutscher" Swingmusik) und wollten sich manchmal auch bewusst gegen militärischen Drill und Intoleranz der HJ abgrenzen. So bildeten sich Cliquen wie die Dresdner "Mobs", die Hamburger "Totenkopfbande" oder die Edelweißpiraten, die zunächst nur unbeaufsichtigt wandern und zelten wollten, dann spontanen politischen Widerstand artikulierten, sich mit der HJ prügelten, Flugblätter verteilten u. Ä. Einige Mitglieder der Edelweißpiraten gingen in die Illegalität, verübten Sabotageakte in der Rüstungsindustrie oder Anschläge auf SA-Führer. Die Zahl der Jugendlichen, die sich den HJ-Dienstpflichten entzogen, war schließlich so groß, dass 1944 "Richtlinien zur Bekämpfung jugendlicher Cliquen" erlassen wurden. Aktionen, die eher Jugendprotest und Generationskonflikte ausdrückten, wurden von der Gestapo kriminalisiert. Ende 1944 verhaftete sie 13 Edelweißpiraten und ließ sie ohne Verfahren öffentlich aufhängen. Ihre Angehörigen kämpften nach dem Krieg lange um deren Anerkennung als Widerstandskämpfer. Noch 1978 bezeichnete sie der Kölner Regierungspräsident als "Staatsverbrecher" und verweigerte eine Ehrung. Mittlerweile erinnert in Köln, Ecke Schönsteinstr./Venloer Str., eine Bronzetafel an den Galgen, an dem u. a. der 16-jährige Edelweißpirat Bartholomäus Schink starb, nach dem heute eine Straße benannt ist.